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Buch „Jüdisches Leben in Michelfeld“ erschienen

Gemeinde gibt zweites Werk von Leonhard Dörfer zur israelitischen Geschichte heraus

Angelbachtal. (abc) Mit „Jüdisches Leben in Michelfeld“ gibt die Gemeinde dieser Tage ein weiteres Werk zur Ortsgeschichte heraus. Nachdem der Autor Leonhard Dörfer schon einen Band über „Jüdisches Leben in Eichtersheim“ veröffentlicht hat, beschreibt der seit Jahrzehnten vor Ort verwurzelte, engagierte Historiker nun die über 200-jährige Geschichte des Michelfelder Pendants. Nach den verheerenden Verlusten an Menschen und Wohnräumen zweier Kriege des 17. Jahrhunderts beteiligten sich die jüdischen Mitbürger aktiv am Wiederaufbau des Ortes.
Mit 242 Personen – 20% der damaligen Einwohnerschaft – hatte die jüdische Gemeinde 1848 ihren Höhepunkt erreicht und war damit eine der größten jüdischen Landgemeinden in Baden. Heute ist der Judenfriedhof der einzige sichtbare Beweis für die Existenz einer israelitischen Gemeinde; sie wurde im November 1935 durch staatlichen Beschluss aufgelöst, nachdem sie zuvor schon immer kleiner geworden war.
Dörfers Leistung ist umso höher zu bewerten, da der mittlerweile 88jährige Autor in jüngster Zeit nur noch eingeschränkt mobil war. Trotzdem kann er sich noch gut an den Anfang des Projektes erinnern: „Im September 2016 bin ich auf dem jüdischen Friedhof in Michelfeld Ruth Danon aus Israel begegnet, die dort das Grab ihres Großvaters besucht hatte. Aus ihren Erzählungen erkannte ich, dass ich fast nichts vom jüdischen Leben in Michelfeld wusste. Und das hat mich angeregt, dieses Buch zu verfassen“, so Dörfer. Schon damals war es dem pensionierten Pädagogen nicht mehr möglich gewesen, vor Ort im Generallandesarchiv zu recherchieren. Von früheren Besuchen hatte Dörfer aber einiges an Material mitgebracht, das ihm als Grundstock für das neue Werk diente. „Dank der großen Hilfe von Diethelm Brecht ist es gelungen, die Arbeit zu Ende zu führen“, lobte er die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Hauptamtsleiter der Gemeinde, der ihn maßgeblich bei der Fertigstellung unterstützt hatte.
Bürgermeister Frank Werner ist dankbar für die umfangreiche Aufarbeitung der jüdischen Geschichte: „Ihnen ist es zu verdanken, dass wir die Erinnerungskultur in einer Weise pflegen können, wie es in vielen anderen Gemeinden nicht möglich ist.“ Er bedauere es außerordentlich, dass eine offizielle Buchvorstellung in diesen Zeiten nicht möglich sei. Selbst ein gemeinsames Pressefoto könne nicht gefertigt werden, ohne den Autor einem gesundheitlichen Risiko auszusetzen.
Aber trotzdem sei es wichtig, der Bevölkerung dieses wichtige Werk nicht vorzuenthalten. Er bedankte sich bei Norbert Hinzmann für die ergänzende Unterstützung des Heimatvereins zur Herausgabe des Buchs.
Der bebilderte, von Jens Neckermann ansprechend gestaltete Band dokumentiert das Leben und Wirken dieser jüdischen Gemeinde und schildert plastisch das Zusammenleben der verschiedenen Konfessionen in einem ländlichen Dorf. Schwerpunkte sind unter anderem die israelitische Schule, eine Bestandserhebung der Häuser der jüdischen Familien, das Wirtschaftswesen und bedeutende Persönlichkeiten, aber auch die Opfer der NS-Zeit sowie die jüdischen Auswanderer und der heutige Kontakt mit deren Nachfahren. Eine detaillierte Namensliste, ein Auszug aus dem Michelfelder Ortsfamilienbuch und eine Belegungsliste des jüdischen Friedhofs machen den Band zusätzlich zu einer wichtigen Quelle für alle ortsgeschichtlich interessierten Leserinnen und Leser.
„Jüdisches Leben in Michelfeld“ ist im verlag regionalkultur (Ubstadt-Weiher) erschienen und umfasst 120 Seiten mit 50 teils farbigen Abbildungen, die von einem fester Einband mit Fadenheftung zusammengehalten werden.
Für 14,90 Euro pro Exemplar ist es ab sofort bei „Blumen am Schloss“ (Friedrichstraße 3/1), im Bürgerbüro des Rathauses (nach Voranmeldung unter Tel. 07265/912020) oder im Online-Bücher-Shop der Gemeinde  erhältlich.