Schriftgröße:

Erster Gemeindebesuch der Regierungspräsidentin führte nach Angelbachtal

Sylvia M. Felder informierte sich über geplante Projekte – Viel Lob für die Infrastruktur der Gemeinde – Kreiselzuschuss noch offen


Von Ralf März

Angelbachtal. (ram) Hohen Besuch konnte Bürgermeister Frank Werner am Donnerstag im Rathaus empfangen: Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder besuchte Angelbachtal und informierte sich bei Bürgermeister und den Amtsleitern über umgesetzte und geplante Projekte, die Unterstützung des Regierungspräsidiums Karlsruhe benötigen. Auch Landrat Stefan Dallinger stieß in sicherem Corona-Abstand zum Gespräch dazu und vermeldete die Unterstützung des Landkreises beim Bau des geplanten überfahrbaren Verkehrskreisels in der Michelfelder Ortsmitte, einem der wichtigsten Themen des Treffens.
Für die Regierungspräsidentin war der Termin der erste Gemeindebesuch seit ihrem Amtsantritt im Frühjahr 2019, erkläret sie. Zunächst war sie in den Landratsämtern, großen Kreisstädten und dann in den Städten unterwegs. Erste Gemeinden wollte sie eigentlich bereits im März besuchen, doch diese Besuche mussten mit Beginn der Corona-Pandemie zunächst abgesagt werden. In Angelbachtal hatte man sich ausgiebig vorbereitet, man achtete auf den Mindestabstand und trug teilweise Gesichtsmasken. Im Bürgersaal musste jeder an einem eigenen Tisch platznehmen.
Dennoch konnte der Bürgermeister am Ende von einem sehr gelungenen Treffen sprechen, bekam die Regierungspräsidentin doch einen großen Eindruck von dem, was in den Jahrzehnten und bei derzeit sehr geringer Verschuldung in Angelbachtal entwickelt und in Zukunft geplant sei. Sie schätze diese Besuche der Städte und Gemeinden sehr, erklärte sie: Die Menschen, Anekdoten und Gebäude blieben in Erinnerung und von manchem Projekt bekomme man in kurzer Zeit einen viel besseren Eindruck als dieser nur durch Pläne und Schriftverkehr zu bekommen wäre.  
Sie sei tief begeistert von dem, was in Angelbachtal geleistet und investiert wurde, erklärte Sylvia M. Felder bei der Ortsrundfahrt durch die Gemeinde. Deutlich machte sie dabei auch, dass es nicht allein Finanzmitteln und der Zustimmung der Gremien bedürfe, sondern auch jemanden mit Vision und Ideen, lobte sie Bürgermeister und Verwaltung.

Im Bürgersaal des Rathauses ging Werner auf das Landessanierungsprogramm und die Sanierung des Rathauses ein. Er berichtete von 35 privaten und verschiedenen öffentlichen Maßnahmen, die seit dem Jahr 2014 gefördert werden konnten. Allerdings befinde man sich bei der Rathaussanierung erst am Beginn der Planung, viel Detailarbeit sei hier noch zu leisten, bevor gebaut werden könne. Somit hoffe er auf eine Verlängerung des Sanierungsprogramms, welches derzeit bis 2022 befristet ist. Ohne Zuschüsse sei die Rathaussanierung nicht zu finanzieren, machte er deutlich.

Durch den Schlosspark ging es zum Geburtshaus von Freiheitskämpfer Friedrich Hecker, wo derzeit ebenfalls mit Landeszuschüssen die rechte Haushälfte und später auch die Fassade saniert wird. Einen Blick werfen konnte die die Regierungspräsidentin noch auf die gesperrte Hauptstraße (B292), die derzeit zusammen mit dem Land generalsaniert wird.

Die Sporthalle beim Sportplatz Michelfeld bildete die nächste Station. Hier ging der Bürgermeister auf die anstehende Renovierung ein, erwähnte aber auch das im vergangenen Jahr gebaute Kunstrasenfeld und die Fusion der beiden Sportvereine. Beeindruckt zeigte sich Felder von den über 800 Mitgliedern des neuen Vereins und auch von der Auslastung der Sportstätten, von der Werner berichtete. Etwa 2,5 Millionen Euro sind für die Hallensanierung veranschlagt.

Die Sonnenberghalle, den neuen Kindergarten am Sonnenberg samt Schule steuerte die Delegation als nächstes an, und so konnte die Regierungspräsidentin auch einen Blick in den Jugendtreff samt Schülermensa werfen. “Wir stehen hier in der Fahrzeughalle des ehemaligen Feuerwehrgerätehauses”, erklärte Werner zwischen den Tischen und der Mensaküche. Auch auf die im Gebäude geschaffenen Räume für das DRK ging Werner ein. „Wenn wir das Ehrenamt nicht mit Räumlichkeiten ausstatten, wird es in Zukunft noch schwerer für die Vereine werden”, machte er deutlich. Zustimmung gab es von der Regierungspräsidentin, die der Gemeinde ein “großes Kompliment” für das Gebäude aussprach. 

Die Kreuzung der Landesstraße L551 und der Kreisstraße K4177 zusammen mit der Luisenstraße in der Michelfelder Ortsmitte war einer der wichtigsten Punkte des Treffens. Hier warb der Bürgermeister um die Unterstützung des Landes zur Entschärfung des Unfallschwerpunkts. Geplant ist ein überfahrbarer Kreisverkehr (Minikreisel). Opfern würde man hierfür das seit langem leerstehende alte Gasthaus Löwen. Dieses müsste abgebrochen werden. Im Untergrund des Kreisverkehrs würde dann auch Kanal und die Wasserleitung aus dem Jahr 1907 erneuert werden. Von über einer Millionen Euro sprach Werner für das Gesamtprojekt. Den reinen Verkehrskreisel schätzt man auf 300.000 Euro, von denen der Landesanteil etwa 200.000 Euro und der Kreisanteil bei 100.000 Euro liegen dürfte. Eine Zusage konnte die Regierungspräsidentin dafür allerdings nicht mitbringen, lediglich “positive Signale” aus den Fachabteilungen ihres Hauses konnte sie vermelden. Von Seiten des Rhein-Neckar-Kreises ist eine Kostenbeteiligung für die Kreisstraße bereits zugesagt.

Das geplante Sportgebäude beim Sportplatz Eichtersheim kam ebenfalls zur Sprache wie die Laufbahn und Weitsprunggrube für den Schulsport beim Sportplatz Eichtersheim. Auch hier dürften die Investitionskosten, im Rahmen des kommunalen Sportflächenkonzepts, in die Millionen gehen.

Auch die Ortsumgehung der Bundesstraßen B292 und B39 sprachen Bürgermeister und Landrat beim gemeinsamen Mittagessen im Rathausaal an, bei dem neben der Corona-Pandemie auch über den Fußball geplaudert wurde. Wie in der Vergangenheit warben beide dafür, eine mögliche Ortsumgehung von Östringen auf die neue B39 zu leiten und diese dann mit einer kleinen Querspange an Eichtersheim vorbei zu führen. Dies sei sicherlich auch mit den geringsten Eingriffen in die Natur verbunden, stellte die Regierungspräsidentin fest. Doch dieses Projekt scheint noch weit in der Zukunft.

„Bleiben Sie auf dem Weg“, lobte Felder und bot stehts ein offenes Ohr an. „Wir sehen uns als Dienstleister für die Gemeinden“, betonte sie abschließend. Zuständig ist die Regierungspräsidentin mit ihrer Behörde für über 200 Städte und Gemeinden und rund 2,7 Millionen Einwohner. Mit einem Eintrag ins Goldene Buch der Gemeinde, bei dem Bürgermeister Frank Werner als Präsent einen „Heckerhut” überreichen konnte, verabschiedete sie sich nach knapp fünf Stunden aus dem Kraichgau.