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Einweihung Erlebnispfad

Auch mit Smartphone-App kann der Wald jetzt erkundet werden
Erlebnispfad bringt auch Weitsprung oder Tannenzapfenzielwerfen mit – Viele Familien kamen zur Eröffnung – Waldkauz mit Heckerhut ging an Staatsekretärin


Von Ralf März

Angelbachtal. (ram) Im Beisein zahlreicher Ehrengäste wurde der Naturerlebnispfad im Michelfelder Wald am vergangenen Sonntag eröffnet: Bei noch kühlem und trüben Wetter konnte am Vormittag das obligatorische Band am Eingang des rund 2,8 Kilometer langen Pfades durchtrennt werden. Am Nachmittag zeigte sich dann die Sonne, als unzählige Familien sich in den Röhrigwald aufmachten, um die Stationen des „Buchen-Waldmeister-Naturerlebnispfads“ zu erkunden.
Mit der Eröffnung geht eine knapp vierjährige Planungszeit zu Ende, verbunden mit kontroversen und langwierigen Diskussionen am Gemeinderatstisch (wir berichteten). Unterschiedliche Meinungen gibt es nach wie vor in der Bevölkerung, wie rund um die Eröffnung deutlich wurde. Unter anderem das Herrichten der Waldwege mit neuem Splitt, bei dem auch die Ränder zum besseren Wasserabfluss teilweise abgeschoben wurden, sorgt dafür, dass diese als sehr breit wahrgenommen werden. Grundsätzlich habe man die Wege auf die Ursprungsbreite ausgebaut, reagierte Bürgermeister Frank Werner in den Eröffnungsworten auf Kritik und verwies auch auf die forstliche Nutzung der Schotterwege.
Von einer „großartigen Bereicherung“ für die Gemeinde sprach der Bürgermeister, als er zurückblickte auf die Gründung des Vereins “Natur- und Familienerlebnisse Angelbachtal e.V.” im Jahr 2015, die Planung und auch auf die LEADER-Fördergelder von rund 116.000 Euro bei Gesamtkosten von rund 231.000 Euro. Den fehlenden Zugang vieler Kinder und Jugendlicher zur Natur nannte er als einen der Grundgedanken der Projektidee.
„Maßgabe war von Anfang an, dass der Pfad auch in das bestehende FFH Schutzgebiet passt“ erklärte der Bürgermeister, welches dann mit dem Schutzauftrag „Waldmeisterbuchenwald“ zum Namensgeber des Pfades wurde.
Von einem „zeitgemäßen Angebot“ sprach Friedlinde Gurr-Hirsch, Mitglied des Landtags Baden-Württemberg und Parlamentarische Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz vor den Eröffnungsgästen. Ein düsteres Bild zeichnete sie von der Naturverbundenheit vieler Familien in der heutigen Zeit, und pflichtete dabei auch den Eingangsworten des Bürgermeisters bei: „Generationen von Eltern sind schon nicht mehr in der Lage den Kindern die Blätter und die Bäume zu erklären“ so die Staatssekretärin, die in Wanderschuhen gekommen war. Deshalb sei das geschaffene Angebot hervorragend für Einwohner und Gäste.  
Sie verwies neben dem Schutz von Tieren und Pflanzen allerdings auch auf die forstliche Nutzung des Waldes für Baumaterial und Brennstoff. Als hohes Gut in Deutschland hob sie das freie Betretungsrecht des Waldes für Jedermann hervor.
Sarina Pfründer, Bürgermeisterin aus Sulzfeld war als Vorsitzende des LEADER-Vereins Regionalentwicklung Kraichgau e.V. nach Angelbachtal gekommen. Sie verwies mit Blick auf die Europawahl auf die großen finanziellen Mittel, die über das LEADER-Programm in die Region kommen und deutlich machen, „dass die EU nicht weit für uns weg ist, sondern greifbar ist.“ Reine Lehrschilder reichten heute nicht mehr aus, lobte Pfründer den Erlebnispfad, der auch mit seiner begleitenden Smartphone-App die Jugendlichen ansprechen soll.  
Lukas Del Monego sprach als Vorsitzender des Vereins “Natur- und Familienerlebnisse Angelbachtal e.V.” von einem „Naturerlebnispfad mit vielen Besonderheiten und kleinen Details“. Das Erleben der Natur stehe im Mittelpunkt, fasste er zusammen. Zahlreiche Dankesworte schlossen sich an, große Plüsch-Waldkäuzchen mit Heckerhut überreichte Bürgermeister Frank Werner an Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch, an den Naturerlebnisverein und an Gemeindeforstwirt Gerhard Klinger, der maßgeblich an der baulichen Umsetzung im Wald beteiligt war. Blumen gab es für Alexandra Ehrenberger, die das Projekt im Rathaus betreut hatte.
Mit dem Durchtrennen des Bandes wurde der Pfad anschließend eröffnet und später von den zahlreichen Familien belebt. Sich im Weitsprung oder Hochsprung mit verschiedenen Tieren zu messen, Tannenzapfenzielwerfen, auf die Aussichtsplattform zu klettern oder auf dem neuen Spielplatz zu toben machte den Kindern riesigen Spaß. Einen Blick in die Baumkronen konnte von den sechs „Baumkronenliegen“ aus genossen werden. Später wartete eine Kugel Waldmeistereis von der Gemeinde auf die Kinder, die Kleintierzüchter hielten Kaffee und Kuchen bereit.