Schriftgröße:

Nach acht Monaten Bauzeit ist die Ortsdurchfahrt wieder frei

Bauarbeiten an Michelfelder Wilhelmstraße abgeschlossen – Ursprünglich sollte nur die Brunnenstraße erneuert werden – Kosten bei 1,15 Millionen Euro


Von Ralf März

Angelbachtal. (ram) Für die Anwohner war es die letzte ruhige Nacht, für alle Autofahrer die letzten Stunden, in denen es nur auf verkehrsberuhigten Seitenstraßen durch den Ortsteil Michelfeld ging: Seit Donnerstagmittag ist die L551, die Michelfelder Ortsdurchfahrt wieder für den Verkehr freigegeben. Kurz vor Abschluss der Arbeiten wurde am Mittwochabend deshalb zusammen mit den Anwohnern gefeiert.
Ursprünglich sollte im Rahmen einer schon länger geplanten Maßnahme nur die rund 200 Meter lange Brunnenstraße von Grund auf saniert und mit neuen Leitungen und Kanälen ausgestattet werden. Baubeginn hierzu war im April 2018. Aufgrund der trockenen Witterung kamen die Arbeiten dort zügig voran und sollten mit dem Anschluss der neuen Leitungen an die Hauptleitungen in der Wilhelmstraße im Herbst enden.
Doch gleich mehrere Wasserrohrbrüche machten auch auf den Zustand der über 100 Jahre alten Wasserleitung in der Wilhelmstraße aufmerksam. Auch der Kanal wies im Bereich der Straßenkreuzungen mit der benachbarten Bergstraße Mängel auf, wie Untersuchungen zeigten. Somit entschied der Gemeinderat, auch in Teilen der Wilhelmstraße Kanal und Wasserleitung samt Hausanschlüssen auszutauschen. In der Folge wurde eine Vollsperrung der Ortsdurchfahrt ab September 2018 notwendig. „Entgegengekommen ist der Gesamtbaumaßnahme die Vollsperrung der Ortsdurchfahrt Waldangelloch, worauf die Michelfelder Baumaßnahme explizit abgestimmt wurde,“ so Bürgermeister Frank Werner bei der Freigabe der Straße.
Doch dabei erwähnte er auch, dass die Baumaßnahmen eigentlich bis Weihnachten 2018 hätten abgeschlossen werden sollen. Die schwierigen Bodenverhältnisse in diesem Bereich verzögerten vor allem die Kanalarbeiten. Doch auf den Austausch der teilweise auf Eichenpfählen verlegten Kanalrohre zu verzichten, hätte „mit dem Blick auf die Zukunft überhaupt keinen Sinn gemacht,“ so der Bürgermeister.
Doch nicht nur an den Straßen und den Leitungen im Untergrund wurde gearbeitet: In neuem Glanz erstrahlt auch der historische Brunnenplatz, an dem eine junge Linde gerade die ersten grünen Blätter treibt. Der weit über hundert Jahre alte Baum an dieser Stelle musste 2012 gefällt werden, nachdem immer mehr Äste abgestorben waren. Ein Tisch samt Sitzgelegenheit laden neben dem großen sandsteinernen Brunnentrog zum Verweilen ein.
Unterhalb liegt die jetzt barrierefrei ausgebaute Bushaltestelle „Linde“, die mit höheren Randsteinen ein einfacheres Einsteigen ermöglichen soll.
Erneuert wurden neben den Straßenbelägen auch die Gehwege, in deren Untergrund bereits Leerrohre für schnelle Internetleitungen verlegt wurden. Die Daten der Baumaßnahme brachte Bürgermeister Frank Werner im Beisein von Anwohnern, beteiligten Firmen und Planern und den Gemeinderäten am Mittwochabend auf den Punkt: 280 Meter Kanal, 360 Meter Wasserleitung, 1800 Quadratmeter Asphalt im Fahrbahnbereich, 770 Quadratmeter Pflaster für Gehwege und Parkplätze, 150 Meter Borde und 380 Meter Wasserrinne wurden verbaut.
Seinen Dank richtete das Ortsoberhaupt an die beteiligten Firmen aber vor allem auch an alle von der Baustelle betroffenen Anwohnern. „Angelbachtaler Wohlfühlverhältnisse nach dem Motto besser sehr gut miteinander als mühevoll gegeneinander,“ lobte Werner alle „Akteure“.
Dem schloss sich Diplomingenieur Mirco Büchler vom Sinsheimer Ingenieurbüro Willaredt an: „Es läuft nur reibungslos, wenn alle an einem Strang ziehen.“ Mit dem Austausch sämtlicher Leitungen im Untergrund habe die Gemeinde für ein „Rundum Sorglospaket für die Anwohner gesorgt,“ lobte er.
Die Baukosten bezifferte Bürgermeister Werner auf rund 1,15 Millionen Euro. Einen Teil davon bekommt die Gemeinde über Zuschüsse zurück: 44.000 Euro für die neue Fahrbahndecke in der Wilhelmstraße übernimmt das Regierungspräsidium Karlsruhe, ein größerer Teil kommt aus dem Landessanierungsprogramm.
Nach dem obligatorischen durchtrennen des Absperrbandes am Mittwochabend wurde die gesperrte Straße zunächst für einen gemütlichen Umtrunk und eine Stärkung durch den Tierschutzverein genutzt. Nachdem am Donnerstagmorgen noch die Markierungen als letzte Arbeiten aufgebracht waren, rollt inzwischen der Verkehr wieder wie gewohnt durch Michelfeld.