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Aus der Gemeinderatssitzung vom 25.03.2019: Altes Bäckereigebäude soll zu Tagespflege und Wohnungen werden

Einrichtung wird dringend benötigt - Fassade des historischen Gebäudes wird erhalten – Diskussion um Parkplätze


Von Ralf März

Angelbachtal. (ram) Bekannt ist das Vorhaben bereits seit vergangenem Sommer, jetzt beschäftigte sich auch der Gemeinderat damit: Aus der ehemaligen Bäckerei Krotz in der Eichtersheimer Hauptstraße sollen eine Tagespflegeeinrichtung und barrierefreie Wohnungen werden. Einstimmig erteilte der Gemeinderat sein Einvernehmen zum Bauantrag, der Umbau und Sanierung des historischen Gebäudes vorsieht. Die Anwohnerschaft sieht das Vorhaben kritisch, wie am Rande der Sitzung deutlich wurde.
Bürgermeister Frank Werner betonte, dass dem jetzt vorliegenden Bauantrag eine Phase der monatelangen Abstimmung mit der Familie Dreher als örtlicher Bauherr vorausging. „Diese Einrichtung brauchen wir in Angelbachtal dringend,“ warb das Ortsoberhaupt in seinen einführenden Worten.
Beim Gebäude der ehemalige Bäckerei Krotz, die vor rund 10 Jahren schloss, handelt es sich um ein ortsbildprägendes, über viele Jahrzehnte als Wohn- und Geschäftshaus genutztes Bauwerk. 1766 steht über einer Eingangstür des zweigeschossigen Doppelhauses mit Krüppelwalmdach. Der zur Hauptstraße gerichteten Fassade (Ostseite) wurde daher die Eigenschaft eines Kulturdenkmals verliehen und steht somit unter Denkmalschutz.
Deshalb soll sich an dieser Ansicht auch nach der umfassenden Sanierung wenig ändern. Auch die Gebäudehöhe soll nicht wachsen, lediglich im rückwärtigen Bereich ist ein Anbau geplant. Im Gebäudeinneren wird vermutlich aber kaum ein Stein auf dem anderen bleiben: Während im Erdgeschoss Räume für die Tagespflegeeinrichtung samt Personalraum und Sanitärräumen entstehen sollen, sind im Obergeschoss und Dachgeschoss acht barrierefreie oder barrierearme Wohnungen in der Größe zwischen 41 und 76 Quadratmetern geplant. Es sei davon auszugehen, dass die späteren Bewohner des Hauses die Wohnung aufgrund des Pflegeangebots nutzen, führte Bürgermeister Frank Werner dazu aus.
Unter diesem Hintergrund stimmten die Gemeinderäte auch dem Vorschlag zu, nicht alle elf Parkplätze, die von der Baurechtsbehörde für Wohnungen und Pflegeeinrichtung gefordert wurden, direkt am Gebäude zu realisieren. In vergleichbaren Einrichtungen verfüge kaum jemand über ein Auto, so der Tenor.
Entstehen sollen direkt am Gebäude drei Parkplätze - mehr sind in der eng bebauten Lage nicht möglich – die restlichen Plätze könnte die Gemeinde im Bereich des etwa 250 Meter entfernten Regenrückhaltebeckens in der Friedrich-Hecker-Straße realisieren. Die Bauherren müssten für die Parkplätze ein Ablösebetrag in Höhe von je 9.000 Euro bezahlen.
Die Bürgervertreter beurteilten das Bauvorhaben durchweg positiv. Dennoch verwies Dr. Axel Derks auf die Gefahren der angrenzenden Hauptstraße (B292) mit den engen Gehwegen und der schlecht zu erkennenden Ampel, lobte aber, dass keine Grünfläche zugebaut werde. Im Zusammenhang mit der Verkehrssituation begrüßte Ursel Balheim den Zugang von der rückwärtigen Gebäudeseite. Kritisch sah Werner Müller die Parkplatzsituation neben dem Haus, Heimo Linse lobte, dass ein Investor innerorts investiere. Die Parkplätze auf Gemeindegrund könnten kurzfristig gebaut werden, erfuhr Karl Kern auf Anfrage. Jürgen Lutz betonte vor der Abstimmung, dass eine solche Einrichtung in der Gemeinde gebraucht werde.
Rund 348.000 Euro Landeszuschuss fließen für das Bauvorhaben in den Kraichgau, wie das Sozial- und Integrationsministerium bereits im vergangenen Juli bekannt gegeben hatte. Zusätzlich erhält der Bauherr rund 193.000 Euro für die Schaffung von barrierefreien Wohnungen aus Mitteln des ELR (Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum). Bürgermeister Frank Werner freut sich, wie er auf Anfrage der RNZ erläuterte, dass insgesamt über eine halbe Million an Fördermitteln des Landes in die Gemeinde Angelbachtal fließen: „Die Zuschussmittel sind ein wesentlicher und entscheidender Baustein, damit im alten Ortskern moderne und zukunftsfähige Einrichtungen umgesetzt werden können.“