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Nachbericht des mittelalterlichen Spektakulums

Zur Silberhochzeit mit Angelbachtaler Met angestoßen

Mittelalterfest feierte Jubiläum - Gute Zusammenarbeit zwischen Veranstalter und Gemeinde

 

Angelbachtal. (ram) „Silberhochzeit“ nannte es Bürgermeister Frank Werner, als er am Samstag zum 25. Jubiläum des mittelalterlichen Spektakulums auf der Schlossparkbühne gratulieren konnte. Kritisch beäugt wurde die Veranstaltung in ihren Anfängen, war es doch das größte Event, für das der historische Schlosspark an einen Veranstalter vermietet wurde. Inzwischen ist die Festvorbereitung zur Routine geworden und der Mittelaltermarkt gehört fest zum Angelbachtaler Veranstaltungskalender dazu, die Termine für die kommenden drei Jahre stehen bereits fest.
„Es war für mich eine tolle Zusammenarbeit mit der Familie Wolf,“ erklärte Bürgermeister Frank Werner. Für ihn war es am Wochenende das zehnte Ritterfest, dass er eröffnen konnte. Mitgebracht hatte er zum 25. Jubiläum ein Wappen der Gemeinde Angelbachtal, welches er an Veranstalter Michael Wolf und seine Familie überreichte.
Auch einen beschrifteten Tonkrug hatte die Gemeinde bei der Majolika in Tairnbach anfertigen lassen. Gefüllt war dieser mit Honigmet der örtlichen Imker, und so wurde unter kräftigem Handgeklapper auf das Jubiläum angestoßen.
Erlebt hatte die Familie Wolf, die in Osterburken auch den „Histotainment Park Adventon“ betreibt, in den 25 Jahren bereits einiges: Zunächst musste sich das mittelalterliche Treiben etablieren und in der Region bekannt werden. Große Hitze machte der Veranstaltung in manchen Jahren zu schaffen, in der man es nur unter den schattigen Bäumen aushalten konnte. Doch auch das Gegenteil gab es schon in Angelbachtal: Gummistiefel im Schlossparkmatsch. „Einmal mussten nachts sogar die Lager der Mittelaltergruppen evakuiert werden, da der gesamte Platz unter Wasser stand,“ erinnert sich Sabine Wolf.
Klar ist immer, so Bürgermeister Frank Werner, dass der Park nach dem großen Ritterspektakel, aber auch bei den anderen Veranstaltungen, die es inzwischen im Schlosspark gibt, von den Veranstaltern wieder hergerichtet werden muss. Doch meist musste in der Vergangenheit lediglich zu etwas Rasensamen gegriffen werden.

Auf gemütliche Lagerfeuer musste zum Mittelalter-Jubiläum verzichtet werden

Trockenheit machte Vorsichtsmaßnahmen erforderlich – Besucher strömten zu Zehntausenden – besonders in den Abendstunden wurde es gemütlich


Von Ralf März

Angelbachtal. (ram) Die Besucher strömten zu tausenden wieder von weit her, das Wetter optimal für Prinzessinnen, Burgfräulein, Knappen oder gestandene Männer in Kettenhemden: Zum 25. Mal wurde der Eichtersheimer Schlosspark am Wochenende zurück ins Mittelalter versetzt.
Schwerter klapperten, Musik ertönte, Gemütlichkeit strahlten die Lager der Mittelaltergruppen aus, die im schattigen Park ihre Zelte aufgeschlagen hatten. Doch ganz mittelalterlich durfte es diesmal nicht zugehen: Die Feuerchen, die sonst zwischen den Zelten loderten, mussten im Vorfeld reglementiert werden. Die große Trockenheit im Park machte diese Maßnahme erforderlich, so Bürgermeister Frank Werner. Erlaubt waren nur Kohlefeuer in entsprechenden Feuerwannen, extra Raucherzonen mit Wassereimer waren für die Besucher eingerichtet. Dort wo geschmiedet oder gebraten wurde, lag ein extra Wasserschlauch oder Feuerlöscher bereit. Ein Löschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr war die gesamte Veranstaltung über im Park in Bereitschaft – bis Redaktionsschluss zum Glück ohne eingreifen zu müssen. 
„Fresst und sauft, dass es dem Herrn ein Wohlgefallen sei!“ – mit diesen Worten hatte der Marktvogt am Samstagmorgen das Treiben eröffnet. Ein Umzug führte die über 20 Lagergruppen, angeführt von Musik und Kistler durch den Park. Die Besucher strömten, teils sogar aus dem benachbarten Ausland, die Parkplätze rund um das Veranstaltungsgelände füllten sich. Besonders am Sonntag ging es wieder eng in Angelbachtals Straßen zu.
Einen besonderen Höhepunkt gab es zum 25. Jubiläum der Veranstaltung unterdessen nicht: Man setzte auf die bewährte Mischung aus gemütlichem Markt, Musik, Klamauk und dem großen Ritterturnier, so Sabine Wolf, die das Mittelalterfest vor 25 Jahren mit ihrem Mann aufbaute.
Zu spüren war die Gemütlichkeit nicht zuletzt am Samstagabend, als die rund 70 Stände mit Schmuck, Kleidern, Waffen, Seife, Spielzeug oder Räucherwaren hauptsächlich in Kerzenlicht erstrahlten. Auf Technik wurde verzichtet, wo es möglich war. So musste der Marktvogt eine laute Stimme haben, um gehört zu werden, zwischen dem Treiben an den Tavernen.
Beim großen Ritterturnier der „Berlepschen Ritterschaft“ im hinteren Schlossparkteil wurde hoch zu Ross um die Zukunft des schwedischen Königshauses gekämpft. Ringe wurden im Galopp mit der Lanze eingesammelt, Äpfel mit dem Schwert zerteilt und das hölzerne Wildschwein mit dem Speer getroffen – am Ende wurde ein tapferer Kämpfer zum Ritter geschlagen.  
Zu sehen waren im Park aber auch verschiedene Handwerker, es wurde glühender Stahl geschmiedet, das „Würzburger Greifenpack“ zeigte verschiedene Schaukämpfe, die Mittelalter-Bands „Ranunculus“ und „Fabula Aetatis“ spielten die beiden Tage über mehrfach und auch Tamino der Gaukler betrat mit seinen Kunststücken immer wieder die Bühne vor dem Schlossteich. 
Lange Schlangen bildeten sich teils vor den Tavernen, wo das Schwein am Spieß gebraten, Heurekaner gebacken oder Flammlachs gegart wurde, auch Met und Himbeerlimonade floss bei den sommerlichen Temperaturen des Wochenendes in Strömen.

Zum nächtlichen Abschluss über brennendes Stroh

Nachtreiten mit Feuereffekten beim Mittelalterfest – Feuerwehr war sicherheitshalber gefragt

 

Angelbachtal. (ram) „Pferde würden niemals alleine durchs Feuer reiten“ erklärte der Turniermeister gleich bei der Begrüßung, und warb unter dem Publikum für Verständnis, wenn nicht jedes Teil der Feuer-Reitershow gelingen sollte: „Wir arbeiten hier mit Lebewesen.“
Die Dunkelheit war am Samstagabend bereits über den Eichtersheimer Schlosspark hereingebrochen, in den Zelten und Buden des Mittelaltermarktes wurden die Kerzen und Laternen entfacht, als sich unzählige Besucher noch einmal um die Turnierarena versammelten. Bevor die Show beginnen konnte, war zunächst die Freiwillige Feuerwehr gefragt, der der erste Applaus galt, und die mit dem großen Strahlrohr dafür sorgte, dass sich der staubtrockene Rasen beim Feuerspektakel auf keinen Fall entzündet.  
Dann machten sich die fünf Reiter der „Berlepschen Ritterschaft“ mit ihren Pferden bereit: Mit brennenden Lanzen wurde geritten, hindurch ging es durch einen lodernden Bogen, brennende Becher mussten die Reiter im Galopp greifen, den glühenden Speer auf das Schild des Ritters bugsieren, so dass es lichterloh leuchtete. Den Höhepunkt bildete der Ritt über brennendes Stroh: Nachdem die ersten Pferde mit ihren Reitern unter großem Handgeklapper den Anfang gemacht hatten, trauten sich auch alle anderen – doch die Vorsicht und Angst der Tiere war zu erkennen.