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Trotz luftiger Röcke kamen die Athleten mächtig ins Schwitzen

Deutsche Meisterschaften der Highland Games wurden im Schlosspark ausgetragen – Musik, Whisky und „Fisch and Chips“ durften nicht fehlen

Von Ralf März

Angelbachtal. (ram) In einen großen Wettkampfbereich verwandelte sich am Wochenende der Eichtersheimer Schlosspark, Baumstämme flogen, schwere Steine oder Holzblöcke wurden herumgehievt, ein großes Fass gerollt und Strohsäcke mit der Gabel hochgeworfen. Das Klingen der Dudelsäcke und die unzähligen Schottenröcke ließen schon von weitem erkennen, dass erneut die Internationalen Highland Games ausgetragen wurden.
Deutlich gewachsen ist die Veranstaltung bei ihrer 13. Auflage: Der schottische Markt, ergänzt durch manches mitteleuropäische Angebot, reichte halb um das Wasserschloss herum. Erstehen konnte man dort neben den traditionellen Kilts, landestypischen Spezialitäten und vielen anderen Accessoires vor allem auch das schottische „Lebenswasser“ Whisky.
Doch gewachsen ist auch die Teilnehmerzahl der Sportler: 35 Mannschaften waren am Samstagmorgen nach großem Einzug und angeführt von den „Heidelberg & District Pipes and Drums“ zu den Deutschen Meisterschaften angetreten. Dabei stehe nicht mehr alleine der Spaß im Vordergrund, so Olav Praetsch, der Vorsitzende des Veranstalter-Vereins „Caldedonia e.V.“. Vielmehr seien diese Deutschen Meisterschaften, die jedes Jahr an einem Ort ausgetragen werden, mit der Bundeliga vergleichbar.  
In elf Disziplinen mussten die knapp 200 Hobby-Sportler aus dem gesamten Bundesgebiet, Kraft, Geschicklichkeit und beim Bogenschießen auch eine ruhige Hand beweisen. Moderiert wurden die traditionellen schottischen Spiele, die ursprünglich bei Treffen schottischer Clans im dortigen Hochland ausgetragen wurden, vom Vorsitzenden des deutschen Highlandgames-Verbands, Jürgen Stickelbrock. Rund um den Spielfeldrand im weitläufigen Schlosspark beobachteten Besucher und Fanclubs der Mannschaften das Treiben und feuerten „ihre“ starken Männer und auch Frauen kräftig an, die bei sommerlichen Temperaturen und reichlich Sonne kräftig ins Schwitzen kamen.
Wachsen können die Spiele kaum noch, machte Veranstalter Olav Praetsch im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich. Die 35 Mannschaften dürften auch in den kommenden Jahren die Obergrenze bleiben, sonst wäre es an einem Tag kaum möglich, alle elf Disziplinen zu durchlaufen und am Abend einen Sieger ermitteln zu können.
Am Sonntag war das Spielfeld den Profis vorbehalten, die mit noch größeren Gewichten und größeren Höhen zum Wettkampf antraten. Im Trubel des Marktes fast zu überhören war, dass sich im hinteren Schlossparkteil auch elf Pipe-Bands aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden bei der Band-Competiton den Kampfrichtern stellten.
Wettkampf also mit vielen Facetten. Doch die unzähligen Besucher, nahezu alle von weit her angereist, genossen auch den schattigen Schlosspark, ein kühles Guinness und dazu „Fisch and Chips“ oder eine Portion „Haggis“ die schottische Spezialität, die aus Schafsmagen und Innereien gekocht wird.
Gemütlich wurde es am Abend, schon zum Start des Spektakels am Freitag, als es auf der großen Bühne ein großes Konzert mit „The Shamrock Green“ gab. Extra aus Belfast angereist war für den lauen Samstagabend dann die Band „McPeake“.
Auch mit Highland Games für Kinder, den traditionellen schottischen Hochlandrindern „Cattles“ die im Park grasten und einer kleinen Schafherde, die von Hütehunden im Zaum gehalten wurden war für Rahmenprogramm gesorgt.
Bürgermeister Frank Werner lobte die Entwicklung der Veranstaltung in den letzten Jahren, sehr professionell werde zusammengearbeitet, betonte er in seinen Eröffnungsworten vor dem Fassanstich. Dabei erwähnte er auch das schottische und internationale Flair der Veranstaltung in Zeiten „wo manche in Europa Grenzen schließen wollen“.
Im Eichtersheimer Schlosspark wird jetzt erst einmal Ruhe einkehren, erst am zweiten Augustwochenende werden sich dort die Ritter und Burgfräulein zum Mittelaltermarkt treffen – die letzte Großveranstaltung im Jahresverlauf im Park.