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Nachbericht Buchvorstellung "Michelfeld und seine Einwohner" Sonnenberghalle Angelbachtal

Angelbachtal. (abc) Mit „Michelfeld und seine Einwohner“ wurde am vergangenen Freitag nicht nur das Ortsfamilienbuch des entsprechenden Teilortes der Heckergemeinde im Foyer der Sonnenberghalle vorgestellt, sondern dort auch gleichzeitig die beliebte Veranstaltungsreihe „Angelbachtaler Heimatgeschichte(n)“ fortgesetzt. Auf Einladung des Heimatvereins und der Gemeinde, die beide als Herausgeber des fast 800 Seiten starken Werkes fungieren, waren zahlreiche Zuhörer gekommen und wurden zunächst von Bürgermeister Frank Werner ausgiebig begrüßt. Gleich im Anschluss würdigte das Dorfoberhaupt die „unglaubliche Arbeitsleistung“ des Maulbronner Familienforschers Josef Seitz, der bereits das 2014 erschienene Ortsfamilienbuch Eichtersheim ehrenamtlich verfasst hatte. Auch die „einzigartige Dienstauffassung“ des Hauptamtsleiters Diethelm Brecht, der den Satz der fast 800 Seiten starken Neuerscheinung übernommen hatte, würdigte sein Vorgesetzter außerordentlich. Der größte Dank des Bürgermeisters galt allerdings dem Autor: „Dass Du, lieber Josef, deine Freizeit für viele Jahre der Gemeinde zur Verfügung gestellt hast, ist für uns Angelbachtaler ein wundervolles Geschenk“, betonte Frank Werner, der Josef Seitz während seiner Zeit als Hauptamtsleiter in Kronau bei der Erstellung des dortigen Ortsfamilienbuches kennen gelernt hatte.
„Das war mein erstes Werk“, betonte der Autor anschließend im Interview mit dem Vorsitzenden des Heimatvereins, Norbert Hinzmann. Zur Heimatforschung gekommen sei Josef Seitz allerdings über die Geschichte seiner eigenen Familie, die aus Waldbrunn-Weisbach im Odenwald stamme, sich aber im Laufe der Jahrhunderte bis nach Ungarn und Kroatien sowie in die USA verbreitet habe. Es folgten Streifzüge durch die zurückliegenden Jahrhunderte anhand einiger alteingesessener Michelfelder Familien, von denen nicht wenige aus der Schweiz, Württemberg oder Hessen eingewandert sind. Auch die Geschichte ehemaliger jüdischer Mitbürger wurde gestreift, bevor das Publikum nach rund einer Stunde während einer 20minütigen Pause Gelegenheit bekam, eine ergänzende Ausstellung mit historischen Dokumenten anzusehen.
Im Anschluss stellte der Hauptamtsleiter die Schicksale des Michelfelders Johann David Gebhard und des in Walldorf geborenen späteren Multimillionärs Johann Jacob Astor gegenüber. „Beiden waren Cousins und sind jeweils 16jährig nach Großbritannien gereist“, löste er gleich zu Beginn das Geheimnis um drei vor einigen Jahren im Gemeindearchiv aufgetauchte Privatbriefe aus dem 18. Jahrhundert auf. Demnach war Johann David Gebhardt, der aus einer mittlerweile vor Ort ausgestorbenen Gastwirts- und Metzgersfamilie stammte, dem Weg seines heute berühmten Vetters zunächst nach London gefolgt, um von dort aus über die Niederlande Amerika zu erreichen. Doch in Rotterdam ging ihm das Geld aus und er schrieb jene Bittbriefe an Verwandte, die – möglicherweise zur Klärung von Erbteilungsfragen – im Gemeindearchiv erhalten geblieben sind. „Es hätte vielleicht nicht viel gefehlt, so hätte der unbekannte Metzgerssohn aus Michelfeld sein großes Glück in der neuen Welt gemacht“, schloss der Hauptamtsleiter ob Johann David Gebhards weiterhin ungeklärten Schicksals. Es bleibt zu vermuten, dass er sich auf einem „Seelenverkäufer“ einschiffte und die Fahrt nach Amerika womöglich nicht überlebte.
Nachdem Josef Seitz weitere interessante Aspekte des Michelfelder Ortsfamilienbuches dargelegt hatte, bedankte sich die Gemeinde mit einem Reisegutschein sowie einem neuen Laptop für alle mit der Erstellung des Werkes verbundenen Mühen. „Michelfeld und seine Einwohner“ ist ab sofort für 32,50 Euro im Bürgerbüro der Gemeinde erhältlich.