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Statt Rebenbewuchs knabbern jetzt Ziegen und Schafe

Beweidungsprojekt am Michelfelder Rossberg gestartet – Offene Landschaft soll entstehen – Tiere drängen Bewuchs zurück

Von Ralf März

Angelbachtal. (ram) Jahrzehntelang diente der Rossberg an der Michelfelder Gemarkungsgrenze zu Waldangelloch als ideale Anbaufläche für Reben. Bilder von vor 40 Jahren zeigen, dass auf dem südwestlichen Bereich praktisch keine anderen Pflanzen zu finden waren. Die Entwicklung war aber schon vor 20 Jahren deutlich zu erkennen: Immer mehr Grundstücke im steilen Hangbereich wurden nicht mehr gepflegt. Stellenweise sieht man noch die Pfosten der Weinberge, doch es dominieren inzwischen Büsche und Bäume zwischen einzelnen gepflegten Parzellen.
Würde man nicht eingreifen, würde in einigen Jahren eine Waldfläche am Rossberg entstehen, erklärt Teresa Schlemmer vom Landschaftserhaltungsverband Rhein-Neckar e.V. bei einem Treffen am Rossberg. Zusammen mit der Gemeinde wurde deshalb ein Beweidungsprojekt gestartet, welches dafür sorgen soll, dass der Bewuchs zurückgedrängt und eine Fläche aus offenem Wiesenbereich und einzelnen Büschen entsteht. Dabei sollen keine Kettensägen zum Einsatz kommen, sondern Ziegen und Schafe schonend agieren.
Insgesamt war eine große Vorarbeit erforderlich, bestätigt neben Teresa Schlemmer auch Bürgermeister Frank Werner. Von Seiten der Gemeinde wurden alle Eigentümer angeschrieben und über das Vorhaben informiert. Dazu muss man wissen, dass die etwa 1,3 Hektar Fläche sich auf 32 Flurstücke aufteilen und 26 Eigentümern gehören. Einige davon bewirtschaften ihre Fläche auch noch mit Reben und Obstbäumen. Die Rückmeldungen der Eigentümer von brach liegenden Flächen waren durchweg positiv, so Schlemmer. Deshalb konnte jetzt mit der Beweidung gestartet werden. Tierhalter Matthias Bender hat in einem ersten Bereich einen mobilen Elektrozaun installiert und auch ein großes Wasserfass sowie einen mobilen Unterschlupf für die Tiere bereitgestellt. Rund einen Tag haben die Vorbereitungen im steilen Gelände gedauert, erklärt der Landwirt. Als erstes konnten die Ziegen einziehen, die gerne am Gehölz knabbern. In den nächsten Tagen folgen dann die Schafe, welche sich vor allem dem Gras annehmen. Insgesamt sollen in den nächsten Monaten 15 Tiere am Rossberg wohnen.
Allerdings werden die Tiere nicht immer auf der gleichen Fläche stehen. Das Gebiet wurde in drei Koppeln aufgeteilt, erklärt Teresa Schlemmer. Diese sollen in zwei Beweidungsgängen nacheinander für jeweils etwa 14 Tage beweidet werden. „Durch diese kurze, intensive Beweidung kann der frische Aufwuchs zurückgedrängt werden. Gleichzeitig werden Schäden an der Grasnarbe vermieden“, so die Umweltwissenschaftlerin.
Aufmerksam sollen auch zwei Informationstafeln auf das Projekt machen, welche Teresa Schlemmer an Bürgermeister Frank Werner überreichen konnte. Dieser lobte das Engagement für die Erhaltung der Kraichgaulandschaft.
Ziel des Beweidungsprojektes ist die Wiederherstellung von halboffenen Hangbereichen, welche einen Lebensraum für viele wärme- und lichtliebende Tier- und Pflanzenarten bieten, so der Landschaftserhaltungsverband. „Dazu gehören die Traubenhyazinthe (Muscari neglectum), die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) oder viele Wildbienen- und Schmetterlingsarten. Auch die besonders geschützten Vogelarten Neuntöter (Lanius collurio) und Dorngrasmücke (Sylvia communis) fühlen sich in abwechslungsreichen, halboffenen Landschaftsstrukturen mit Hecken, Freiflächen und Einzelbäumen wohl“, erklärt Teresa Schlemmer. Sie wird das über mehrere Jahre angelegte Projekt begleiten und die Veränderungen am Rossberg beobachten.
Der Landschaftserhaltungsverband Rhein-Neckar e.V., in dem 48 Kommunen des Kreises Mitglied sind, sieht den Schwerpunkt seiner Arbeit in der Erhaltung, Pflege und Entwicklung der hiesigen Kulturlandschaftsräume. Gegründet wurde der Verein im Jahr 2013, seit einigen Jahren ist auch die Gemeinde Angelbachtal Mitglied. Gefördert wurde dabei bereits besondere Nisthöhlen für Vögel im Schlosspark. Auch ein Rebhuhnprojekt läuft auf der Gemarkung. Die Gelder stammen aus dem Naturschutzhaushalt des Landes Baden-Württemberg.