Schriftgröße:

Die große Wunschliste hatten die Jugendlichen nicht dabei

Digitalisierung, Gemeindeentwicklung und Natur waren Thema bei Jugendforum – Kein Drogeriemarkt in Angelbachtal

Angelbachtal. (ram) Einmal jährlich lädt Bürgermeister Frank Werner Kinder und Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren zum Jugendforum ein. Rund 30 Gäste waren der Einladung diesmal gefolgt und sprachen in der Schulmensa knapp eineinhalb Stunden mit dem Bürgermeister über aktuelle, kommunalpolitische Themen und hatten auch einige Fragen und Anregungen mitgebracht. Eine große Wunschliste hatten die Jugendlichen allerdings nicht im Gepäck.
Mit Brezel und Getränken versorgt, erkundigte sich der Bürgermeister zunächst nach den Veränderungen und den Eindrücken, die die Jugendlichen von der Corona-Pandemie hätten. Für Schüler sei die erste Zeit der Schulschließung „überfordernd“ gewesen, berichtete ein Junge. „Luft nach oben“ gäbe es beim digitalen Unterricht für zuhause noch, erklärte ein Mädchen. Nicht jedes Fach sei konsequent unterrichtet worden, stellte ein anderer Jugendlicher fest, während jemand zusammenfasste: „Corona hat der Digitalisierung gut getan.“   
Bürgermeister Frank Werner erklärte, dass für die Sonnenbergschule 43 iPads bestellt wurden, um diese im Falle einer erneuten Schulschließung den Kindern, die nicht über digitale Endgeräte verfügen, ausleihen zu können. Damit leitete er auch über zum Internetausbau in der Gemeinde. Über die Vectoring-Technologie sei bis auf einige wenige Häuser im Gemeindegebiet für schnelles Internet gesorgt. Ein flächendeckender Glasfaserausbau jedoch „würde Millionen kosten“. Den Jugendlichen erklärte er, dass in der Sonnenberghalle seit kurzem W-LAN verfügbar wäre und wollte wissen, wo kostenloses mobiles Internet noch wünschenswert wäre. Ein Ausbau wünschte man sich im Schlosspark (teilweise bereits verfügbar) sowie an der großen Bushaltestelle „Eichtersheim Bahnhof“.
Auch der Klimaschutz kam zur Sprache: Dies sei eine „gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nur von Land, Gemeinden und Bürgern gemeinsam vorangebracht werden kann“, erklärte Werner. Aufmerksam machte er auf das Photovoltaikforum der Gemeinde und wollte wissen, ob es noch Anregungen für Naturschutzprojekte gäbe. Von der Gemeinde seien unter anderem Nistkästen für Eulen und Käuzchen im Schlosspark geplant. Mehrere Müllsammelaktionen im Jahr schlug ein Jugendlicher vor.
Auch die größten kommunalen Maßnahmen umriss der Bürgermeister kurz, ging auf die Planung des „Mini-Verkehrskreisels“ in der Michelfelder Ortsmitte sowie auf die Sanierung der Sporthalle beim Sportplatz Michelfeld ein und blickte auch auf die anstehende Rathaussanierung, die er auf fünf bis acht Millionen Euro schätze und feststelle, „die wird uns enorm fordern.“
Die Wünsche und Fragen der Jugendlichen waren eher verhalten: Ein Teilnehmer ging auf die Pflastersteinflächen im Radweg ein, in Bereichen, an denen andere Straßen kreuzen. Diese seien mit einem Roller schlecht zu befahren, merkte er an. Andere sprachen einen Skaterpark oder eine Mountainbike-Strecke an. Gerade bei ersterem verwies Bürgermeister Werner auf die große Anlage in Sinsheim. „So etwas kann es nicht in jedem Ort geben“ stellte er fest und verwies auch auf den großen Aufwand der Verkehrssicherungspflicht.
Eine Jugendliche regte eine Station zum Teilen von Lebensmitteln (Foodsharing) an, wie es diese beispielsweise im benachbarten Malsch gäbe. Fragen gab es auch zum alten Fabrikgelände („befindet sich in Privatbesitz“) unterhalb des Michelfelder Schlosses und zu einer direkten Buslinie nach Heidelberg.
Schlechte Nachrichten hatte der Bürgermeister zu einem häufiger aus der Bevölkerung geäußerten Wunsch: Die Ansiedlung eines Drogeriemarktes sei „leider gescheitert“ erklärte er und berichtete dabei von intensiven Gesprächen mit einer großen Drogeriemarktkette. Allerdings bevorzugte diese einen bestimmten Standort bei den Eichtersheimer Supermärkten, so das Ortsoberhaupt. Doch da der REWE-Markt seinerzeit von den Behörden deutlich zu groß genehmigt wurde, lehnt das Regierungspräsidium nun weitere Einzelhandelsflächen in diesem Bereich ab, erklärte er zum Abschluss des Jugendforums und bedankte sich auch bei den Gästen für den regen Austausch.