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Die große Entlastung vom Umleitungsverkehr scheint kaum möglich

Anwohner der Heimbachstraße und der Gemeinderat diskutierten – „brauchen eine solidarische Lösung“ – Anwohner lehnen Pflanzkübel teilweise ab – Hauptstraße soll im Dezember fertig sein


Von Ralf März

Angelbachtal. (ram) Außer häufigeren Radarkontrollen dürfte sich in Sachen Optimierung des Umleitungsverkehrs in Eichtersheim auch nach ausgiebigem Anwohnergespräch und Beratungen im Gemeinderat am Montag wenig ändern, denn es mangelt schlicht an sinnvollen und umsetzbaren Alternativen.
Für die Heimbachstraße, durch die den Statistiken nach die wenigsten Umleitungsfahrzeuge rollen, hatte die „IG wirksame Verkehrsberuhigung“ kürzlich verschiedene Vorschläge gemacht (wir hatten berichtet). Doch Einbahnstraßenregelungen in der Heimbachstraße oder die Freigabe nur noch für Anlieger würde zu einer deutlichen Mehrbelastung in den verbleibenden Straßen und vermutlich auch zu mehr Problemen an den Kreuzungen führen, machte Bauverwaltungsleiter Daniel Oestrich und Bürgermeister Frank Werner beim Bürgergespräch in der Sonnenberghalle deutlich. „Wir brauchen eine solidarische Lösung“ erklärte Oestrich den rund 25 Anwohnern und den Vertretern der evangelischen Kirchengemeinde, die sich in einem Schreiben an die Verwaltung für eine langfristige Verkehrsberuhigung vor dem Kindergarten stark machten.
Diskutiert wurde beim Bürgergespräch fast zwei Stunden, allerdings nicht immer sachlich und auch mit einigen Zwischenrufen. Eingangs hatte der Bauverwaltungsleiter in einer Präsentation die Umleitungssituation aufgezeigt. Mittels sechs Messgeräten der Gemeinde war in den letzten Monaten die Menge des Verkehrs und auch die Geschwindigkeiten über mehrere Tage erfasst worden. Die Hauptlast der rund 10.000 Fahrzeuge, die sonst durch die baustellenbedingt gesperrte Hauptstraße rollen, teile sich auf verschiedene Nebenstraßen auf. 3395 Fahrzeuge wurden in der Frankenstraße gezählt, 2342 befahren die Wusseldornstraße. Das größte Fahrzeugaufkommen trägt die Ringstraße mit 5243 Fahrzeugen, die sich dann im weiteren Verlauf der Umleitungsstrecke auf die Heinrich-Fürstenberger-Straße (2782) und die Heimbachstraße (2581) aufteilen.
Sinsheims Ordnungsamtsleiter Werner Schleifer, der ebenfalls zum Gespräch gekommen war, bestätigte, dass die Zahlen der Verkehrsbelastung mit denen übereinstimmen, die bei zahlreichen bußgeldbewehrten Messungen seiner Behörde im Bereich festgestellt wurden. Zweifel äußerten die Anwohner, die der Meinung waren, dass mehr Verkehr durch die Heimbachstraße rolle.
Die durchschnittliche Geschwindigkeit in dieser Straße liege bei 30 Stundenkilometern, erklärte Schleifer, der von einer Überschreitungsquote von 3,1 bis 3,3 Prozent der Autofahrer sprach. Gemessen wurde inzwischen zu verschiedenen Zeiten aber auch mit dem „Enforcement-Trailer“ über mehrere Tage, so Schleifer. Mehr Überschreitungen seien in der Heinrich-Fürstenberger-Straße festgestellt worden, nur 2,8 Prozent gab es in der Frankenstraße.
Für den Bereich des Kindergartens hatte die Interessensgemeinschaft und die Kirchengemeinde Blumenkübel oder Bodenschwellen angeregt, die von der Verwaltung derzeit geprüft werden. Kurzfristig hatte man ein Sinsheimer Ingenieurbüro mit der Planung beauftragt, erklärte Oestrich, der die mögliche Position von vier Pflanzkübeln aufzeigte. Allerdings seien damit auch Nachteile für die Anwohner verbunden, machte er deutlich, wenn diese für Rückstaus vor den Ausfahrten sorgten oder dort nicht mehr geparkt werden könne. Kritisch wurden sogenannte Temposchwellen gesehen, die vor allem zu einer deutlichen Geräuschentwicklung beim Überfahren neigen.
Kurzfristig umgesetzt werden konnte bereits eine Beschilderung „Achtung Kindergarten“ erklärte Oestrich, die von der Kirchengemeinde vorgeschlagen worden war.
„Wir haben das Gefühl, es gerät komplett außer Kontrolle mit der Umleitungsstrecke“ machte ein Anwohner seiner Verärgerung Luft, und fügte hinzu „macht die Heimbachstraße dicht“. Ihm warf der Bürgermeister im Laufe des Gesprächs vor, seine Mitarbeiter direkt und in Schreiben an Behörden aufs übelste beleidigt und in sozialen Medien auch die Verwaltung und den Gemeinderat denunziert zu haben. Er müsse die Umleitungssituation akzeptieren, wurde Werner deutlich.
Ein anderer Anwohner erklärte, dass der untere Straßenbereich der Heimbachstraße vor Jahrzehnten nur als Stichstraße vorgesehen war, und nur über einen einseitigen Gehweg verfüge. „Jetzt ist es eine Hauptverkehrsstraße“, äußerte er seine Meinung und verwies auch auf die enge Einfahrt in die Bruchsaler Straße. Sorgen äußerten die Anwohner auch, dass der Verkehr nach Fertigstellung der Hauptstraße in den Wohngebieten bliebe und zur „schnellen Blitzer-Umgehung“ wird, wenn in der Hauptstraße die festinstallierte Geschwindigkeits-Messsäule installiert ist.
Verschiedene Anwohner boten ihre Einfahrten für das Aufstellen von mobilen „Blitzern“ an, was Ordnungsamtsleiter Schleifer gerne aufnahm und weiterhin verstärkte Kontrollen anbot.
Eine Anwohnerin gab zu bedenken, „es ist anstrengend, ohne Zweifel“ jedoch „können wir das nur gemeinsam überstehen“. Sie blickte auf die große Investition in der Hauptstraße und darauf, dass mit Abschluss der Baustelle in einigen Monaten „wir die ruhige Heimbachstraße zurückhaben.“
Auch darauf ging Bauverwaltungsleiter Oestrich in seinem Vortrag ein. Wie bereits berichtet, sind die Arbeiten in der Hauptstraße derzeit im Verzug. In einem Gespräch habe die ausführende Firma jetzt zugesagt, die Baustelle bis zum Jahresende abzuschließen, erklärte Oestrich. Ursprünglich war eine Fertigstellung im Oktober geplant. Auch der Bürgermeister machte deutlich, dass er gerne „mehr Personal auf der Baustelle sehen würde“, was inzwischen auch zugesagt sei, so Oestrich.
Den Gemeinderat informierte Frank Werner am Montag über das Anwohnergespräch und gab bekannt, dass sich inzwischen sechs der rund zehn bis zwölf direkten Kindergartenanlieger gemeldet hätten. Nur einer davon hätte keine Einwände gegen einen Pflanzkübel vor seinem Haus, einer wolle zunächst die Position wissen, vier lehnten die Kübel ab. Zuvor hatte Bauverwaltungsleiter Daniel Oestrich darauf verwiesen, dass man derartige Maßnahmen nur im Einvernehmen mit den Anwohner umsetzen könne.
Auch verschiedene Gemeinderäte äußerten sich zum Thema, so Roland Lang, der die Emails der „IG wirksame Verkehrsberuhigung“ als „daneben“ bezeichnete. Lukas Del Monego berichtete von Gesprächen mit Bürgern, die auf den Unterschriftenlisten der „IG“ zur Verkehrsberuhigung unterschrieben hätten, aber offensichtlich erst im Nachgang merkten, dass sie nicht wussten, was alles gefordert werde. Werner Müller regte ein Parkverbot in der Heimbachstraße an, so dass der Verkehr zügiger fließe und weniger Geräusche beim Anhalten und Beschleunigen entstünden. Bußgeldbewährte Kontrollen empfand Karl Kern als einzige sinnvolle Möglichkeit. Lediglich Christoph Haag appellierte an die Anwohner der Heinrich-Fürstenberger-Straße, diese sollten sich solidarisch zeigen, des Kindergartens in der Heimbachstraße wegen.