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Aus der Gemeinderatssitzung vom 10.12.2018: Integrationsmanagerin Stephanie Lechner gab ersten Tätigkeitsbericht ab

Zentrales Ziel: Aus geflüchteten Menschen sollen Mitbürger werden
Integrationsmanagerin Stephanie Lechner gab ersten Tätigkeitsbericht ab – 59 Flüchtlinge leben in Angelbachtal

Angelbachtal. (ram) Einen umfassenden Überblick über die Flüchtlingsarbeit gab es in jetzt in der letzten öffentlichen Zusammenkunft des Gemeinderates für dieses Jahr. Bereits mit Beginn der großen Flüchtlingsströme im Jahr 2015 wurde unter Federführung des evangelischen Pfarrers Emanuel Fritz in Angelbachtal ein ehrenamtlicher „Arbeitskreis Migration“ gegründet. Seit April 2018 steht innerhalb der Gemeinde zusätzlich zu den Ehrenamtlichen eine hauptamtliche Integrationsmanagerin zur Verfügung.
Zusammen mit verschiedenen umliegenden Gemeinden hatte der Angelbachtaler Gemeinderat im Frühjahr dafür entschieden, die vom Land bezuschusste Aufgabe des Integrationsmanagements durch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ausführen zu lassen. Das Wochenstundenkontingent von 26 Stunden wird dabei hauptsächlich von Stephanie Lechner ausgefüllt, die den Gemeinderäten einen Einblick in ihre Tätigkeit seit April gab. Mit Frau Rasha Al Saie steht für fünf Wochenstunden auch eine arabischsprachige Integrationsmanagerin in Angelbachtal zur Verfügung.
Zusammen betreuen die Mitarbeiter des DRK derzeit 59 Flüchtlinge in Angelbachtal, darunter 32 Kinder. Hauptsächlich handelt es sich bei den hiesigen Flüchtlingen um Familien. Allesamt befinden sich in der „Anschlussunterbringung“, dürfen also länger oder dauerhaft in Deutschland bleiben. Somit brachte Stephanie Lechner auch das Ziel ihrer Arbeit kurz auf den Punkt: „Aus geflüchteten Menschen sollen Mitbürgerinnen und Mitbürger werden.“
Zunächst musste sich die Integrationsmanagerin zu Beginn ihrer Tätigkeit einen Überblick über die örtliche Situation schaffen, ein Netzwerk mit den Einrichtungen, Behörden und den Ehrenamtlichen aufbauen, wie sie erläuterte. Für die Flüchtlinge ist sie Beraterin, unterstützt bei Behördengängen, Wohnungssuche, Problemen oder Fragen. Im Mittelpunkt steht jedoch die Stärkung der Selbstständigkeit der geflüchteten, die nicht nur umsorgt werden, sondern ihr Leben zunehmend selbst organisieren sollen.
Eine wichtige Rolle dabei spielt der Erwerb guter deutscher Sprachkenntnisse. Da viele der Frauen ihre Kinder bis zum dritten Lebensjahr zuhause selbst erziehen, sei der Besuch von Sprachkursen für diese kaum möglich. Deshalb wurde in Angelbachtal in Zusammenarbeit mit „Provide e.V.“ ein Frauensprachkurs mit Kinderbetreuung eingerichtet. Für die Zukunft geplant seien auch Ausflüge und ein Sprachkaffee.
Außerdem soll für jeden Flüchtling eine mobile Biografie, ein digital verfügbarer Lebenslauf entstehen. Hier handle es sich um ein Projekt des Rhein-Neckar-Kreises in dem Neuzugewanderte ihre persönliche Biografie hinterlegen und wichtige Zeugnisse und Qualifikationen erfassen können: Daten, die sie für eine erfolgreiche Integration benötigen, werden zentral auf einem sicheren Server des Landratsamts gespeichert und stehen so jederzeit zur Verfügung.
Doch es warten noch große Herausforderungen, so Stephanie Lechner, die von komplexen Problemlagen innerhalb der Familien sprach, teilweise verbunden mit körperlichen Einschränkungen. Außerdem zeige sich jetzt, wo sich die unruhige Zeit mit Flucht, Unterbringung in den Gemeinschaftsunterkünften der Aufnahmestellen lege, ruhe in die Familien einkehre, dass auch Traumabewältigung eine große Rolle spiele.
Von Gemeinderatsseite blieben nach dem umfassenden Bericht nur wenige Fragen. Werner Müller wollte wissen, ob im ehrenamtlichen Arbeitskreis Migration noch genug Helfer zur Verfügung stünden. Dies musste Pfarrer Emanuel Fritz verneinen: Mit etwa 20 Ehrenamtlichen insgesamt stehen derzeit nicht genug Paten für alle Familien zur Verfügung. Gemeinderätin Ursula Balheim gab zu Bedenken, dass die Integration der Flüchtlinge eine Herausforderung für beide Seiten sei, es gehe um Beheimatung. Hierzu hatte Stephanie Lechner bereits ausgeführt, dass die unterschiedlichen kulturellen Ansichten, dazu gehöre teilweise auch die Lautstärke, spannungspotenzial in der Nachbarschaft in sich berge.
Heimo Linse wollte wissen, ob von Land oder Bund geplant sei, die Flüchtlinge zu Hilfsarbeiten, beispielsweise der Grünanlagenpflege heranzuziehen. Dies sei nicht vorgesehen, so die Integrationsmanagerin, vielmehr sollen von den Flüchtlingen Sprachkenntnisse erworben und Aus- und Weiterbildung betrieben werden, um eine nachhaltige Integration auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen.
Bürgermeister Frank Werner dankte neben der sehr guten Zusammenarbeit mit dem DRK auch dem „rührigen und guten Arbeitskreis Migration für die intensive, ehrenamtliche Arbeit.“