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Aus der Gemeinderatssitzung vom 19.11.2018: Die Fichte hat im Kraichgau kaum eine Zukunft

Waldzustand und die Planungen im Gemeinderat– Brennholzpreis bleibt unverändert – Große Schäden durch Borkenkäfer


Angelbachtal. (ram) Von „einem schwierigen Jahr für den Wald“ sprach Förster Bernd Niederer jetzt im Gemeinderat, als er auf den heißen und vor allem trockenen Sommer 2018 zurückblickte. Lediglich fünf Mal habe es den Aufzeichnungen zufolge von Mai bis Oktober im Kraichgau richtig geregnet. Betrachtet wurden dabei nur Regenfälle mit mehr als zehn Liter pro Quadratmeter, denn bei geringerer Regenmenge verbleibe der Großteil in der Baumkrone und der Laubschicht auf dem Boden. Bei den Baumwurzeln käme davon nicht an, erklärte Forstbezirksleiter Philipp Schweigler.
Mitgebracht hatte er Fotos von herbstlich Blätterbedeckten Wegen – aufgenommen schon Anfang August – und lichten Baumkronen mitten im Sommer. Es sei derzeit unsicher, wie sich die Laubbäume im nächsten oder übernächsten Jahr zeigen, so der Forstexperte.
Bei den Nadelbäumen waren die Schäden schon in diesem Herbst sichtbar: Der Borkenkäfer hatte bei den trockenheitsgeschwächten Fichten leichtes Spiel. Von den Verantwortlichen wurde deshalb schnell gehandelt, um ein weiteres Ausbreiten des Schädlings zu verhindern. Die Folge: Rund 800 Festmeter Holz mussten kurzfristig eingeschlagen werden. Das Stammholz könne trotz Käferbefall zum Verkauf angeboten werden, die Baumkronen wurden zu Hackschnitzel verarbeitet, und können so für die Heizung der Sonnenbergschule verwendet werden. Klar sei, so Philipp Schweigler, dass die Fichte im Kraichgau ein Baum ohne Zukunft sei.
Große Erlöse dürften durch den Fichtenverkauf mittelfristig ebenfalls nicht zu erzielen sein: Aufgrund von trockenheits- und Sturmschäden befänden sich derzeit rund 100 Millionen Festmeter am Markt. Glücklicherweise lag der Fichtenanteil im Gemeindewald nur bei rund zehn Prozent, die in der Folge vermutlich durch andere Baumarten ersetzt werden müssen.
Für das Jahr 2019 sei ein Holzeinschlag von 2850 Festmeter auf Angelbachtaler Gemarkung geplant, etwas mehr als in der Forsteinrichtung vorgesehen. Geplant seien Durchforstungen im Eichtersheimer Gewann Legelsbusch, im Michelfelder Gewann Wüstrott und im Günterstal Richtung Dühren. Wie Förster Bernd Niederer ausführte wolle er beim Laubholzeinschlag den Schwerpunkt erst auf den Herbst 2019 legen, wenn klar ist, ob es auch beim Laubholz zu Trockenschäden gekommen ist.
Bedient werden soll wie gewohnt die private Brennholznachfrage, der Preis für den Festmeter Buchenholz bleibt der Entscheidung des Gemeinderates zufolge wie in den Vorjahren bei 55 Euro und für Eichenholz bei 53 Euro.
Der Forstbetriebsplan sieht für das Jahr 2019 Einnahmen von 189.550 Euro vor. Für die Ausgaben werden 165.850 Euro angesetzt, so dass mit einem Gewinn von 23.700 Euro zur rechnen ist.