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Aus der Gemeinderatssitzung vom 02.11.2020: „Schadholz“ steht im Mittelpunkt des Holzeinschlags

Förster gingen auf Auswirkungen des Klimawandels ein – Negatives Ergebnis im Forstbetriebsplan 2021

Angelbachtal. (ram) Zu einem „virtuellen Waldspaziergang“ nahm Forstbezirksleiter Philipp Schweigler die Gemeinderäte und Zuhörer in der Sonnenberghalle mit. Doch die Fotos, die der Forstexperte zeigte, waren weder wildromantisch noch idyllisch: Sie zeigten abgestorbene Baumkronen von stattlichen Buchenbäumen und Fichtenflächen, die im Sommer gerodet werden mussten, um ein weiteres Ausbreiten des Borkenkäfers zu verhindern. Dabei ging er auch auf die Statistik der Wetterstation Wiesloch-Baiertal ein und erklärte nach dem Rekordjahr 2018: „Die warme Witterung setzt sich fort.“
Große Schäden gäbe es bei der Buche, welche bis vor drei Jahren keine Probleme hatte und im Kraichgau weit verbreitet ist. Auch eine Berechnung zu den Standortbedingungen für diese Baumart im Angelbachtaler Wald im Jahr 2071 zeigte Philipp Schweigler: Gelbe und rote Farben dominierten dabei und somit wurde deutlich, dass sich der Wald in den nächsten Jahrzehnten großflächig wandeln werde. „Stabile Baumarten pflegen“ war die Devise des Forstexperten, der große Hoffnung in die Eiche setzt, die mit den wärmeren Temperaturen besser zurecht komme.
Allerdings leide nicht nur der Wald im Kraichgau unter dem Klimawandel, Probleme gäbe es in ganz Europa, so Schweigler. Dennoch sei der Preis für Laubstammholz „halbwegs stabil“. Allerdings werde im Gemeindewald in den kommenden Monaten hauptsächlich Schadholz eingeschlagen. Die Menge dürfte bei 2000 Festmetern liegen so Schweigler. Früher machte das Schadholz einen Anteil von lediglich 200 bis 300 Festmetern aus.
Doch es bleibe noch genug Totholz im Gemeindewald stehen, ergänzte Forstrevierleiter Bernd Niederer mit Blick auf den besonderen Wert für das Ökosystem und zeigte auch hoffnungsvolle Bilder von der natürlichen Verjüngung auf einer ehemaligen Fichtenfläche im Eichtersheimer Wald, wo sich inzwischen Eiche, Douglasie oder Elsbeere angesiedelt hätten.
Erneut negativ werde das Finanzergebnis ausfallen, so Bernd Niederer. Mit Einnahmen von rund 130.000 Euro rechne man im Forstbetriebsplan des kommenden Jahres, die Ausgaben dürften bei etwa 165.000 Euro liegen, was zu einem Fehlbetrag von 35.000 Euro führen wird.
Lob gab es von Bürgermeister Frank Werner für die Innovationen in Sachen Naturverjüngung an die Forstvertreter. Gemeinderat Karl Kern (Freie Wähler) wollte wissen ob es möglich wäre, Teile des Gemeindewaldes, die im FFH-Schutzgebiet liegen, sich selbst zu überlassen. Ein sogenannter „Bannwald“ setze große zusammenhängende Flächen voraus, erklärte Philipp Schweigler, unter 100 Hektar Fläche mache dies keinen Sinn.
Sascha Bertich (Junge Liste) wollte wissen, ob man dem Wald helfen könne, wenn dem man Kalk ausbringe. Dabei gehe es darum, Schwefelsäure zu kompensieren, erklärten die Forstexperten. Diese entsteht bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe und führte in den 80er Jahren zu einem verstärkten sauren Regen. „Das Hauptproblem bekommen wir dadurch nicht in den Griff“, so Philipp Schweigler.
Von den Bürgervertretern genehmigt wurde der Forstbetriebsplan für das Jahr 2021 bei einer Enthaltung.