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Klimaschutzkonzept für Angelbachtal beschlossen

Einstimmigkeit bei „Richtschnur in Sachen Klimaschutz“
 – Statistische Vergleiche schwierig – Kritik: Inhalte vorher schon bekannt

Angelbachtal. (ram) Gut ein Jahr ist es her, als der Gemeinderat ein Klimaschutzkonzept für Angelbachtal – zu 65 Prozent über Fördermittel des Bundes – in Auftrag gab. Inzwischen wurde es durch die EnBW ausgebreitet, so dass die Bürgervertreter das 206 Seiten lange Dokument, und damit die „Richtschnur für die kommenden Jahre in Sachen Klimaschutz“, wie es Bürgermeister Frank Werner zusammenfasste, einstimmig genehmigen konnten.
Dr. Jörg Scholtes, der bei der EnBW für den Bereich „Nachhaltige Stadt“ arbeitet und das Klimaschutzkonzept in den vergangenen Monaten verantwortlich ausgearbeitet hat, gab den Gemeinderäten einen kurzen Einblick in die betrachteten Daten, der Bürgerbeteiligung und in den Maßnahmenkatalog: Zunächst wurde eine Energie- und CO2-Bilanz für die Gemeinde, anhand von statistischen Daten aber auch anhand von Verbrauchsdaten der kommunalen Gebäude aufgestellt. Eines der Ergebnisse: 80.953 Megawattstunden (MWh) Energie werden in Angelbachtal pro Jahr verbraucht. Rund 55 Prozent davon werde in den privaten Haushalten benötigt, etwa 25 Prozent macht der (Durchgangs-) Verkehr aus. Etwa 28.000 Tonnen des schädlichen Treibhausgases Kohlenstoffdioxid (CO2) werde dabei jährlich ausgestoßen.
Ein Vergleich der Zahlen und auch eine Bewertung scheint beim Blick in das Klimaschutzkonzept jedoch schwierig, denn nicht nur unterschiedliche Verkehrsbelastungen der Gemeinden, auch der Gewerbeanteil und Unsicherheiten hinsichtlich der Heizungsanlagen in den Privatgebäuden können schnell zu Fehlinterpretationen führen, wie auch der EnBW-Experte einräumen musste.
Da beim Klimaschutzkonzept der gesamte Ort einbezogen werden soll, gab es auch mehrere Bürgerinformationen und Themenabende, die auf reges Interesse stießen, so Dr. Scholtes. Weitere Öffentlichkeitsarbeit zur Verstetigung und auch zum Controlling der örtlichen Klimaschutzentwicklung sei – auch festgeschrieben im Konzept – wünschenswert.
Viele Möglichkeiten bietet der Maßnahmenkatalog, den der Physiker zusammen mit der Gemeindeverwaltung ausgearbeitet hat: eine klimagerechte Bauleitplanung (Vermeidung einer Bebauung von Nordhängen, da keine Solarnutzung möglich), günstigere Baulandpreise bei erhöhter Energieeffizienz der Bebauung, Erhaltung des Baumbestandes (CO2-Speicherung), Energetische Sanierung von kommunalen Gebäuden (an verschiedenen Gebäuden bereits geplant), Biomasse nutzen (vorhandene Hackschnitzelheizung Schule), die Attraktivierung des Öffentlichen Nahverkehrs, die Schaffung von Radwegen oder die Einführung von Dienstfahrrädern sind nur einige der Vorschläge. Darunter findet sich auch die Einbindung der Sonnenbergschule unter den Stichworten „Klimaakademie“, „unsere Schule spart Energie“ oder „Laufbus“ um Schüler zum gemeinsamen zurücklegen des Schulwegs zu animieren.
Kein Geheimnis machte Dr. Jörg Scholtes daraus, dass in Sachen Solarnutzung deutlicher Nachholbedarf in Angelbachtal bestehe. Ob weitere Solaranlagen auf kommunalen Dächern sinnvoll wären, wollte deshalb Gemeinderat Heimo Linse wissen. Dies war jedoch nicht näher untersucht worden.
Während Gemeinderat Hubert Mildenberger auch den kommunikativen Faktor und die Bewusstseinsbildung beim Klimaschutz als ein mögliches Ergebnis des Konzepts hervor hob, fand Roland Lang deutliche Worte: „Von ein Blatt Papier“, sprach er, „dessen Inhalt bereits vorher bekannt war.“ Dabei zielte er hauptsächlich auf die Dinge ab, die auch ohne Expertenwissen und hohe Kosten festzustellen gewesen wären, beispielsweise die Solarnutzung beim Blick auf die Dächer über Google-Maps.
Was in den kommenden Monaten und Jahren konkret beim Klimaschutz in Angelbachtal passieren wird, bleibt abzuwarten. Ideen gibt es nicht erst seit dem Konzept viele. Verschiedene kommunale Projekte sind bereits auf den Weg gebracht: Heizungstausch im Kindergarten Dorfmitte, Rathaussanierung und Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik lauten die Stichworte. Auf die Bürgerschaft kann man – abgesehen von der Ortskernsanierung – von Verwaltungsseite kaum Einfluss nehmen.
Dass energetische Sanierungen auch kräftig Geld kosten, machte in diesem Zusammenhang Gemeinderat Ingo Pupak deutlich und gab zu bedenken, dass sich solche meist auch zu Lebzeiten der Eigentümer rechnen müssten. Der Klimaschutz gebe dort eher seltener der Ausschlag zu grundlegenden Maßnahmen im Eigenheim.