Friedrich Hecker (1811 1881)
Eine Zeittafel
Auszug aus dem Buch "Gedanken über Friedrich Hecker" © bei Wolfgang Haaß
1811
Am 28.9. wird Friedrich Hecker "als Sohn des Fürstlich Primatischen Hofrates und Grundherrlich von Venningschen Konsulentes Josef Hecker und seiner Gattin Wilhelmina geb. von Lüder" in Eichtersheim geboren.20.10. Taufe nach vorhergegangener Nottaufe (katholisch)
Taufpate: Baron Fritz von Venningen
1812 6.11. Geburt des Bruders Karl. Karl studiert Medizin in Heidelberg und wird Professor für Chirurgie und Augenheilkunde in Freiburg. Er stirbt 1878
1814 2.3. Geburt der Schwester Henriette; sie heiratet F.J. Cron aus Mannheim; lebt zuletzt in Heidelberg; kinderlos
1817 24.7. Geburt der Schwester Anna Maria Charlotte. Sie heiratet den prakt. Arzt Dr. med. Heinrich Tiedemann, mit dem sie (vermutlich 1849) nach Philadelphia auswandert.
1817 20 Vermutlich Besuch der katholischen Volksschule in Eichtersheim. Erste politische Eindrücke im patriotisch und bürgerlich-liberal gesinnten Elternhaus
1820 30 Besuch des Großherzogl. Lyceums in Mannheim, gemeinsam mit seinem Bruder Karl. Zur gleichen Zeit besuchen spätere politische Größen wie Lorenz Brentano, Karl Mathy, F.D. Bassermann u.a. dieses überkonfessionelle, neuhumanistische Gymnasium. Hier empfängt Friedrich "erste freiheitliche Eindrücke". 1830 legt er das Abgangsexamen in Rastatt ab. Im Abschlußzeugnis der Direktion heißt es: "Bei sehr guten Anlagen und rüstigem Eifer machte er in den meisten Lehrzweigen solche Fortschritte, daß er unter die besten Schüler der zweiten Abteilung und in der Rhetorik, worin seine Leistungen besonders erfreulich waren, unter die vorzüglichsten der ganzen Klasse gerechnet werden konnte".
1830 Am 30.11. immatrikuliert sich Hecker an der Ruperto-Carola-Universität zu Heidelberg als Student der Rechtswissenschaften. Wichtige Anstöße zum politischen Denken erfährt er u.a. durch den liberalen Strafrechtler Mittermaier und die Historiker Schlosser und von Rotteck. Zur gleichen Zeit immatrikuliert sich sein Bruder Karl im Fach Medizin.
1832 Am 27.5. vermutliche Teilnahme des Burschenschaftlers Hecker am "Hambacher Fest", auf dem 30 000 Menschen Freiheit, Bürgerrechte und nationale Einheit fordern. Erstmals werden hier die Farben schwarz-rot-gold als Fahne mitgeführt. Während der Heidelberger Studentenzeit der Brüder Hecker nannte man Friedrich den roten, Karl den schwarzen Hecker. Die beiden waren in verschiedene studentische Korps eingetreten. Als diese Verbindungen einmal aneinandergerieten, schickte Friedrich seinem Bruder eine Mensurforderung; seitdem hieß er in Studentenkreisen der krasse Hecker.
1833 Hecker studiert ein Semester in München; er beschäftigt sich auch mit Plastik und Malerei und wandert in den Tiroler Alpen.
1834 Am 26. Mai besteht Hecker die jurist. Staatsprüfung und promoviert im folgenden Monat mit summa cum laude zum Doctor juris (unter dem Dekanate Mittermaiers).
Juni/Juli: Hecker arbeitet einige Wochen auf dem Büro seines Vaters in Eichtersheim.
183436 Zweijähriges Rechtspraktikum im Landamt Karlsruhe. Sein Vorgesetzter rühmt ihm großen Reichtum an Kenntnissen, Fleiß, einen geraden und offenen Sinn und große Vorzüge des Charakters nach.
1835 Studienreise nach Paris (bis Februar 1836): Studium des code civil und der Verfahrensgänge in Zivil- und Kriminalsachen; praktische Arbeit im Büro eines Advokaten. Der Pariser Aufenthalt ist wahrscheinlich für Heckers politische Entwicklung von allergrößter Bedeutung; vermutlich erste Kontakte mit frühsozialistischen Ideen. Nach späteren Landtagsreden zu schließen, reiste Hecker von Paris aus auch nach Belgien, Holland und England.
183638 Weitere Tätigkeit im Landamt Karlsruhe
1838 Am 28.12. erhält Hecker eine Stelle als Advokat und Prokurator am Oberhofgericht und Hofgericht des Unterrheinkreises in Mannheim. Er wird ein gesuchter und allgemein beliebter Anwalt und "Schriftverfasser" (Notar). Als Kollegen lernt er hier auch Gustav (von) Struve kennen, der später Heckers engster politischer Weggefährte wird.
1838 Hecker wird Mitglied im exklusiven Klub "Die Räuberhöhle" (Kaufleute, Anwälte, Beamte, Künstler, Offiziere). Man pflegt dort liberales und fortschrittliches Gedankengut.
1839 Am 24. Oktober heiratet Hecker die 18jährige Maria Josefine Eisenhardt, Tochter eines wohlhabenden Mannheimer Kauf- und Handelsmanns. Bis 1848 werden dem Ehepaar Hecker 7 Kinder geboren (2 sterben früh); 1849 zieht Josefine Hecker ihrem Mann in die USA nach dort werden (vermutlich) 3 weitere Kinder geboren. Frau Hecker stirbt 1916 in den USA.
1839 Heckers Mutter stirbt in Eichtersheim
1840 Pensionierung von Heckers Vater. Er scheidet aus den Diensten der Freiherren von Venningen in Eichtersheim aus und verzieht nach Mannheim, wo er 1858 stirbt. Zwischenzeitlich lebte er noch in Schwetzingen. Lebenslang bewahren sich Vater und Sohn eine freundschaftliche und liebevolle Beziehung.
1842 Hecker wird in den Mannheimer Gemeinderat gewählt. Zu diesem Zeitpunkt werden bereits sein rückhaltlos offener Charakter, seine gewinnende Herzlichkeit, seine glänzende Redegabe, sein Geschick als Anwalt, seine entschieden liberale Gesinnung und das mitreißende Feuer seines Temperaments gerühmt.
1842 Hecker wird Kandidat der Opposition für die Wahl zur II. Kammer in Karlsruhe. Er unterliegt im 1. Wahlgang, siegt aber im 2. Wahlgang knapp über den Kandidaten der Regierung, Oberhofgerichtsrat Litschgi und wird Deputierter des 35. Ämterwahlbezirks Weinheim-Ladenburg.
1842 Abgeordneter der II. Badischen Kammer in Karlsruhe.
April 48 Hecker widmet sich mit Ernsthaftigkeit und Ausdauer seinen vielfältigen Aufgaben als Kammerabgeordneter, welche alle politischen und gesellschaftlichen Themen umfassen, die den jungen badischen Staat in den Jahren des "Vormärz" bewegen. Als begnadeter Redner wird er zum Führer der Opposition, wird Träger und Ausdruck von Ideen und Stimmungen und kämpft für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte. Sein intensives Eingehen auf die Probleme der unteren Schichten (Arbeiter, Landbevölkerung, verarmte Handwerker) läßt ihn zum wahren "Mann des Volkes", zum Volkshelden, zu "dem Hecker" werden. Heckers Bedeutung für die Entwicklung und Festigung des ersten (prinzipiell) demokratischen Verfassungs- und Rechtsstaates auf deutschem Boden muß sehr hoch veranschlagt werden.
1845 Im Mai wird Hecker, der sich gemeinsam mit seinem Kammer-Kollegen und väterlichen Freund, Adam von Itzstein, auf einer Reise durch Sachsen und Preußen befindet, in Berlin von preußischen Behörden festgehalten und ausgewiesen. Gewaltige öffentliche Resonanz daraufhin steigert Heckers Popularität in ganz Deutschland.
1846 Im November gründen Hecker und Struve in Mannheim den "Verein zur Beförderung des Wohls der arbeitenden Klassen" (Suppenküchen und andere karitative Maßnahmen).
1847 Am 8.3. legt Hecker unerwartet sein Kammermandat nieder und reist für einige Wochen nach Algier (Nordafrika). Vermutlich eine persönliche Krise, ausgelöst durch Niederlagen in der Kammer, hatte ihn zu diesem Schritt bewogen. Im Mai kehrt er "mit neuer Kraft" zurück und stürzt sich als Führer der radikal-demokratischen Kräfte erneut in die Kammerarbeit.
1847 Am 12.9. die Offenburger Versammlung. Ein Flugblatt hatte "alle entschiedenen Freunde der Verfassung" aus ganz Baden nach Offenburg in das Gasthaus zum Salmen eingeladen. Etwa 200 Teilnehmer kamen. Unter der Versammlungsleitung von Hecker und Struve werden die "Forderungen des Volkes in Baden" formuliert, die als Flugblätter und in Zeitungen rasch in ganz Deutschland verbreitet werden. Diese "13 Artikel" verlangten u.a. Lossagung von den Karlsbader Beschlüssen von 1819, unveräußerliche Menschenrechte, Pressefreiheit, Gewissens- und Lehrfreiheit, Beeidung des Militärs auf die Verfassung und persönliche Freiheit.
1848 Im Februar Revolution in Paris. Am 24.2. Abdankung des Königs Louis Philipp dies ist der zündende Funke für alle kommenden Ereignisse:
1848 1.3. "Petitionensturm" auf den Karlsruher Landtag: Revolutionär gesinnte Bürger aus allen Landesteilen wollen dem Parlament die in örtlichen Volksversammlungen angenommenen Bittschriften übergeben. Hecker erreicht nicht, daß die Bürger-Vertreter ihre Petitionen persönlich im Landtag überreichen dürfen.
5.3. In Heidelberg treffen sich die bekanntesten freisinnigen Parlamentarier und Journalisten Süd- und Westdeutschlands, darunter auch Hecker und Struve. Diese 51 "Vaterlandsfreunde" fordern u.a. eine nationale Vertretung des deutschen Volkes und wählen einen "Siebener-Ausschuß", der die Nationalversammlung in Frankfurt für den 31. März vorzubereiten hat. Hecker verlangt die "volle Freiheit für alle" und bezeichnet sich erstmals als "Sozialdemokrat".
19.3. Zweite Offenburger Volksversammlung. 20 000 Menschen folgen dem Ruf Heckers und Struves für Hecker wird die Versammlung zum Höhepunkt seiner politischen Karriere. Ein revolutionäres Programm mit weitgehenden Forderungen wird verabschiedet und die Bildung von "vaterländischen Vereinen" beschlossen, denen Hecker als Obmann vorsteht. (Erster Ansatz zur Bildung politischer Parteien in Deutschland!) Hecker (im Gegensatz zu seinem radikaldemokratischen Freund Fickler) zögert noch, zu diesem Zeitpunkt die Republik auszurufen er setzt noch Hoffnungen auf das Frankfurter Vorparlament.
31.3. 3.4. Versammlung des Frankfurter Vorparlaments, an der Hecker als nominierter, nicht aber gewählter Vertreter teilnimmt. Hecker und Struve scheitern mit ihrem ehrgeizigen und radikalen 15-Punkte-Programm. Hecker fordert die "unteilbare deutsche Republik", unterliegt aber in der "Frage der Permanenz" (Zusammenbleiben des Vorparlaments bis zur Wahl des Parlaments, was von Hecker gewünscht wird) und wird anschließend als 51. nicht in den "Fünfziger- Ausschuß" gewählt. In Hecker reift die Überzeugung, daß "auf parlamentarischem Wege nichts zu erreichen sei".
4.4. Hecker kehrt nach Baden zurück und nimmt zunächst seine parlamentarische Arbeit wieder auf. In ihm reift aber der Entschluß, durch eine revolutionäre Aktion vollendete Tatsachen zu schaffen.
8.4. In Karlsruhe wird Heckers radikaldemokratischer Freund aus Konstanz, Josef Fickler, von der Polizei verhaftet Hecker rechnet nun ständig mit seiner eigenen Verhaftung und verabschiedet sich noch am gleichen Tag von Frau und Kindern in Mannheim.
8.4. 11.4. Über die Pfalz, das französische Elsaß und die Schweiz eilt Hecker nach Konstanz.
12.4. Hecker ruft in Konstanz die Republik aus. In flammenden Reden fordert er den Sturz der großherzogl. Regierung in Karlsruhe. Er will "vertilgen die despotischen Reste des Mittelalters und gründen den freien Volksstaat".
13.4.20.4. Wegen vorstoßender württembergischer Regierungstruppen muß der Heckerzug in den Südschwarzwald ausweichen. Über Stockach, Engen, Pfohren, Stühlingen, Bonndorf, Lenzkirch, St. Blasien, Bernau, Schopfheim, Steinen versuchen die Freischärler nun auf Freiburg vorzurücken.
18.4. Zwei Abgeordnete des Frankfurter Vorparlaments, Carl Alexander Spatz und Jakob Venedey, versuchen vergeblich, Hecker von seinen Plänen abzubringen. Daraufhin wenden sich die Abgeordneten beschwörend an die Bevölkerung Badens, eine "Tat zu verhindern, welche als Frevel am ganzen deutschen Volk erscheinen muß".
19.4. Hecker lehnt zum zweiten Mal ein Hilfsangebot der in Straßburg wartenden deutschen Arbeiterlegion (unter Georg Herwegh) ab, das von Emma Herwegh überbracht wird. Er will sich nicht dem Verdacht aussetzen, "ausländische Hilfe" gerufen zu haben. Die deutsche Arbeiterlegion greift ein paar Tage später aus eigenem Entschluß in Südbaden ein und wird, wie zuvor schon Sigel, Weishaar und Struve, von Regierungstruppen geschlagen.
20.4. Hecker trifft mit etwa 800 Freischärlern bei Kandern auf 2000 Mann hessischer und badischer Regierungstruppen unter General von Gagern. Nach kurzem Wortwechsel zwischen Hecker und von Gagern fallen die ersten Schüsse General von Gagern wird tödlich getroffen. In zweistündigem Gefecht werden die Heckerschen geschlagen und in alle Richtungen versprengt. Hecker flüchtet in die nahe Schweiz.
22.4.- Heckers Exil in der Schweiz.
Sept. 48 Nach kurzem Aufenthalt in Basel quartiert er sich mit engen Gefolgsleuten im Gasthof zum Schlüssel in Muttenz (Kanton Basel-Land) ein. Kurze Zeit später kommt seine Familie nach. Er verfaßt seine Rechtfertigungsschrift "Die Erhebung des badischen Volkes für die deutsche Republik im Frühjahr 1848" und gibt die agitatorische Zeitschrift "Volksfreund" heraus. Ca. 600 Exemplare werden nach Baden geschmuggelt und dort verteilt. Interventionen der badischen Regierung werden von der Schweiz als Einmischung in innere Angelegenheiten zurückgewiesen.
1848 7.6. und 26.10. In Thiengen/Südschwarzwald kandidiert Hecker in Abwesenheit für die Wahlen zur deutschen Nationalversammlung in Frankfurt. Beide Male wird er gewählt! Daraufhin heftige Tumulte in der Frankfurter Paulskirche um "Amnestie für Hecker". Die Amnestie wird aber abgelehnt und der Thiengener Wahlspruch aufgehoben.
Im September trifft sich Hecker in Straßburg mit Gesinnungsfreunden die Behörden drohen mit Ausweisung. Hecker setzt nun seinen seit längerem gehegten Plan zur Auswanderung in die USA in die Tat um. Tausende verabschieden Hecker in Straßburg.
20.9. In Le Havre besteigt Hecker, zusammen mit Freund Schöninger und Schwager Tiedemann, das Dampfschiff "Herrmann", mit dem er am
5. Oktober in New York landet. 20 000 Menschen begrüßen ihn begeistert als deutschen Freiheitskämpfer. Über Philadelphia, Baltimore, Louisville/Kentucky, Cincinnati reisen Hecker und seine Begleiter nach St. Louis am Mississippi.
1848 Im Herbst erwirbt Hecker ein landwirtschaftliches Anwesen in der Siedlung Summerfield in der Nähe von Belleville, wo bereits viele deutsche Emigranten leben, die dort ein reiches deutsch-kulturelles Leben entfaltet haben. Hecker wird Viehzüchter und betreibt auch erfolgreich Weinbau. Bis Frühjahr 1849 versucht Hecker, durch verschiedene Aktionen, Vereinsgründungen, Sammlungen etc., die Revolutionäre in Baden zu unterstützen. Nach deren Scheitern folgt fast vollkommene politische Abstinenz bis 1856.
1849 Die provisorische Revolutionsregierung in Karlsruhe, die für kurze Zeit die Herrschaft in Baden erlangt hat, ruft Hecker im Frühjahr nach Deutschland zurück. Hecker folgt dem Ruf umgehend. Als er mit Freunden in Straßburg ankommt, ist Baden bereits von preußischen Truppen besetzt. Resigniert kehrt er, zusammen mit Frau und Kindern und einigen Freunden, in die Vereinigten Staaten zurück ("Meine Rechnung mit der alten Welt ist abgeschlossen"). Heckers Farm bleibt aber Treffpunkt für "Alt-Achtundvierziger"; Hecker hat in der Folge auch großen Anteil an der Gründung von Turnvereinen, die nicht nur in sportlicher, sondern noch mehr in politischer und kultureller Hinsicht außerordentlich wichtig für die Identität deutscher Einwanderer in den USA werden sollten.
1856 Hecker kehrt auf das politische Parkett zurück. In diesem Wahlkampfjahr wird er zum engagierten deutsch-amerikanischen Redner der neugegründeten Republikanischen Partei. Zusammen mit Abraham Lincoln wird Hecker "Elector" (Wahlmann) für den Staat Illinois. Er setzt sich auch vehement für die Abschaffung der Sklaverei in den Südstaaten ein. Freier Handel und technischer Fortschritt erscheinen ihm als Garanten für Wohlstand und freiheitliche Entwicklung der Völker.
Am 12.8., während einer Rundreise durch die Vereinigten Staaten, wird Heckers Wohnhaus ein Raub der Flammen. Dabei verbrennen auch viele persönliche Dokumente.
1858 Am 9.6. stirbt Heckers Vater mit 81 Jahren in Mannheim.
1860 Hecker setzt sich in diesem Wahlkampfjahr für den Kandidaten der Republikanischen Partei, Abraham Lincoln, ein. Dieser gewinnt die Wahl. Die Südstaaten erkennen diese jedoch nicht an und erheben die Waffen gegen die Nordstaaten. Es entbrennt der erbitterte Amerikanische Bürgerkrieg (186165).
1861 Hecker meldet sich, zusammen mit seinem Sohn Arthur, als Freiwilliger zur Nordarmee. Er wird als "Gemeiner" in das 3. Missouri-Regiment berufen und bald darauf zum Oberst gewählt. Er wirbt selbst ein Regiment von Freiwilligen, das deutsche 24. Illinois-Infanterie-Regiment (die sogenannten "Hecker-Jäger"), das zum Armeekorps des General Sigel gehört (Sigel ist ein Freund aus badischen Revolutionszeiten!). Auseinandersetzungen mit Offizieren, die bis vor den Kriegsminister getragen werden, führen zu Heckers Rücktritt im Dezember des gleichen Jahres.
1861/62 Hecker führt wieder ein Farmer-Leben in Belleville, bevor er
1862 im Dezember eine weitere Gelegenheit erhält, auf Seiten der Nordstaaten am Bürgerkrieg teilzunehmen: Im 82. Illinois Freiwilligen-Regiment, in dem auch sein Sohn Arthur als Feldwebel dient. Das Regiment gehört der Dritten Division an, deren Kommandeur ebenfalls ein Revolutionär aus Baden ist: Carl Schurz. (Carl Schurz wird später Innenminister der USA).
1863 JanuarApril: Längerer Krankenurlaub wegen Typhus-Fieber
1.4. Mai : Schlacht bei Chancellorsville in Virginia: In dieser gewaltigen Schlacht entgehen die Nordstaaten-Truppen nur knapp einer Niederlage. Heckers Regiment gerät in die allgemeine Konfusion und das organisatorische Durcheinander und erleidet hohe Verluste. Er selbst wird durch eine Gewehrkugel schwer am Oberschenkel verwundet. Am 6. Juni schreibt ihn sein Schwiegersohn, der Arzt Henry Tiedemann, für 30 Tage krank. Deshalb ist Hecker nicht bei seinem Regiment, als dieses an der Schlacht von Gettysburg teilnimmt; in dieser Schlacht erleiden die Südstaaten eine schwere Niederlage. Hecker kehrt erst im August zum aktiven Dienst zurück.
Im Herbst kehrt Hecker für einige Wochen nach Illinois zurück, um neue Freiwillige zu rekrutieren. Danach wird sein Regiment nach Süd-Tennessee verlegt. Wieder kommt es zu Anschuldigungen gegen Hecker ("Verweigerung eines Befehls") und langwierigen Auseinandersetzungen, die seine Führungsqualitäten in ein nicht allzu gutes Licht stellen.
1864 Im Februar bittet Hecker General Howard, seine Kommission als Offizier abgeben zu dürfen. Er gibt Familienangelegenheiten und seine Verwundung als Gründe an der eigentliche Grund aber ist, daß er mehrfach bei der Beförderung zum Brigadegeneral übergangen worden ist.
1864 21.3. Der vorzeitige Abschied wird Hecker durch Sonderbefehl gewährt. Er läßt sich wieder als Farmer in Summerfield bei Belleville nieder.
1868 Hecker erhält den Ehrendoktor-Titel des Humboldt Collegiums in St. Louis.
1870/71 Hecker wird vom Taumel der Reichsgründung in der alten Heimat (wie die meisten deutschen Emigranten) zunächst mitgerissen; doch die Euphorie hält nicht lange an, die Ernüchterung folgt umgehend: zuwenig Freiheitsluft, zuviel Beamtenwillkür, zuviele Gebote und Verbote im neuen Deutschen Kaiserreich empören den Republikaner in ihm.
1873 Am 10.5. bricht Hecker zu seiner seit langem geplanten Deutschland-Reise auf. Erste Station ist Mannheim (27.5.) , wo ihn mehr als 10000 Menschen willkommenheißen.
Juni: Aufenthalt in Freiburg; er trifft dort seinen Bruder Karl, der jetzt Leiter der medizinischen Universitätsklinik ist; Zusammentreffen auch mit Professor Blankenhorn, dem Präsidenten des Deutschen Weinbauverbandes. Weiterfahrt in die Schweiz (Basel, Solothurn, Muttenz, Bern), wo er alte Weggefährten trifft.
4. Juli: Heckers Rede in der Stuttgarter Liederhalle zum Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung erregt massive Kritik auf deutsch-nationaler Seite. ("Daß er die Lichtseiten Amerikas durch Anschwärzung Deutschlands effektvoller hervorzurufen suchte ist ein Verstoß gegen die Pietät eine Unhöflichkeit").
Im Juli Kuraufenthalt in Wildbad im Nordschwarzwald. Ein danach in Frankfurt geplanter Fackelzug zu seinen Ehren wird durch Polizeikräfte verhindert; seine Anhänger erscheinen danach mit Lampions
Am 28.8. Abschiedsbankett im Saal des "Badener Hofes" in Mannheim. Er setzt sich mit der an ihm geübten Kritik, er sei ein "Vaterlandsverräter", auseinander: "Ich bin ein Deutscher geblieben! Ich bin es nicht in dem Sinne, wie Viele es gerne haben möchten: ich bin es geblieben im republikanischen Sinn! Ist ein Rebstock, von den Wurzeln des Stockes gerissen, darum weniger eine Rebe? Nein, nein und abermals nein! Aber ich will freie Erde, und so bin ich und so bleibe ich freie Erde und freies Vaterland!"
1873 20.10. Hecker betritt in Baltimore wieder amerikanischen Boden, den er bis zu seinem Tode nicht mehr verlassen wird.
187580 Rege publizistische Tätigkeit in verschiedenen deutschen Blättern in St. Louis und Belleville; verschiedene Vortragsreisen.
1879/80 Mehrmonatige Reise in den amerikanischen Westen.
1880 Aus Gesundheitsgründen muß Hecker alle Vortragsverpflichtungen absagen.
1881 Am 24. März stirbt Hecker 69jährig auf seiner Farm bei Summerfield. Am 27.3. wird er in Summerfield im Beisein von über 1000 Trauergästen beigesetzt. Die deutschen Zeitungen in den USA würdigen Hecker als den "Freiheitskämpfer zweier Welten". In allen Teilen der USA werden in den folgenden Wochen Gedenkfeiern abgehalten.
Am 23. April 1881 veranstalten badische und pfälzische Liberale eine Hecker-Feier in Mannheim, zu der 900 Besucher kommen. Am 1.10.1882 wird in St. Louis und am 24.6.1883 in Cincinnati/Ohio ein weiteres Hecker-Denkmal enthüllt.
"Wenn die Leute fragen,
Lebt der Hecker noch,
Sollt ihr ihnen sagen,
Ja, er lebet noch.
Er hängt an keinem Baume,
Er hängt an keinem Strick,
Sondern an dem Traume
Der deutschen Republik."